Exot aus China: Elektro-Transporter von Maxus im Praxistest

Optisch ist dem eDeliver 9 von Maxus eine Ähnlichkeit zum Ford Transit nicht abzustreiten
© Foto: Fabian Faehrmann | netzwerk A

Mit seinen elektrischen Deliver-Transportern will der chinesische Hersteller Maxus den deutschen Markt erobern. Aber haben die Fahrzeuge überhaupt das Potenzial dazu und lohnt sich der Preis?


Datum:
11.08.2021
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
8 min

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Nicht ohne Aufregung haben wir die Einladung des Herstellers Maxus zu einer kleinen Testfahrt in Neu-Isenburg bei Frankfurt angenommen. Maxus? Dahinter verbirgt sich eine Marke, die zu SAIC, der größten Gruppe an Fahrzeugherstellern in China, gehört. Hauptabsatzmarkt ist Australien. Nun will man den Angriff auf den umkämpften deutschen Markt wagen. Der Importeur hierzulande ist die Maxomotive Deutschland GmbH, die wiederum eine Tochter der Alcopa-Gruppe aus Belgien ist. Die Marke Maxus befindet sich hierzulande aktuell noch im Aufbau. Dem Maxomotive-Geschäftsführer Ulrich Mehling zufolge gibt es momentan 20 Vertriebspartner in Deutschland, die zugleich die einzigen Servicestandorte darstellen. Die Zahl soll bis Ende des Jahres auf 60 steigen, mittelfristig möchte man 150 Anlaufstellen in der Bundesrepublik bereitstellen. Von drei verfügbaren Modellen durften wir uns zwei genauer ansehen: den eDeliver 9 im Sprinter-Format und seinen kleinen Bruder eDeliver 3 – beide arbeiten mit Elektroantrieb. Im Portfolio befindet sich auch noch der Maxus EV80, dieser befindet sich aber im Abverkauf und wird nicht mehr nachbestellt.

Maxus eDeliver 9

Fangen wir beim Großen an: Der eDeliver 9 ähnelt auf den ersten Blick stark dem aktuellen Ford Transit, was aber laut Maxus nicht beabsichtigt sei. An sich ist der Eindruck von außen gut. Das Blech wird auf der Motorhaube durch Zierleisten aufgelockert. Auch der fast zehn Kubikmeter große Laderaum ist unspektakulär normal und bietet ausreichend Verzurrpunkte. Im Cockpit finden wir auf den ersten Blick auch die Standards. Viel Plastik, ein paar Zierelemente, Ablagemöglichkeiten, nichts Ungewöhnliches. Die Bedienung des Multifunktionslenkrades ist wie immer von Hersteller zu Hersteller verschieden und gelingt intuitiv.

Die Eckdaten: Der eDeliver 9 wird von einem 204 PS starken Motor mit maximal 310 Newtonmeter Drehmoment angetrieben. Verfügbar sind drei Batterien (52, 72, 89 kWh), wovon die Stärkste eine maximale Reichweite von knapp 300 Kilometern ermöglichen soll. Geladen werden die Akkus entweder über den 11 kW-starken AC-Onboard-Lader mit Typ-3-Stecker. Alternativ bietet sich das Schnellladen an, das je nach Modell 50-72 kW leisten soll. Der eDeliver 3 erscheint in drei Längen, zwei Höhen und mit zwei Radständen sowie in Form verschiedener Fahrgestellvarianten. Das Laderaumvolumen beginnt bei 9,7 Kubikmetern und wächst bei größter Konfiguration maximal auf 12,95 Kubikmeter an. Zudem soll eine maximale Anhängelast von 1500 Kilogramm möglich sein. In der kleinsten Variante (L2H2) liegt der Preis des eDeliver 9 bei 51.490 Euro netto. 

Ordentlicher Elektroantrieb

Die Fahrt mit dem Transporter ist recht ansprechend. Mit ein bisschen Feingefühl auf dem Gaspedal lässt sich der 204 PS-Motor des eDeliver 9 ganz gut im Griff behalten. Die Rekuperation wird über den Schalthebel dreistufig eingestellt. Allgemein greift sie nach dem Verlassen des Gaspedals etwas verzögert aber dann deutlich spürbar. Es gibt außerdem drei verschiedene Fahrmodi (power, normal, eco) zur Auswahl, die jeweils über eigene Knöpfe unter dem großen Bildschirm aktiviert oder deaktiviert werden. Leider war bei dem Test nicht allzu viel Zeit für eine echte Verbrauchsfahrt. Trotzdem der Vollständigkeit halber: Nach unserer Mini-Runde von 20 Kilometern im mittleren Modus bilanziert der Bordcomputer des Maxus einen Verbrauch von 26 Kilowattstunden pro 100 Kilometer – unbeladen und mit maximal 70 km/h. Im Alltag könnten, je nach Einsatzort, 200 Kilometer realistisch sein. Die Abstimmung ist insgesamt ordentlich, einen gehobenen Fahrkomfort darf man allerdings auch nicht erwarten. 

Denn es gibt am eDeliver 9 auch einige Punkte, die nicht zu überzeugen wissen. Beispiel: die Rückfahrkamera. Diese überstrahlt je nach Lichteinfall so sehr, dass Hindernisse hinter dem Transporter kaum erkennbar sind. Das größere Manko steckt aber in der Software. Die spärlichen Menüebenen sind zwar auf Deutsch verfügbar, allerdings scheint bei der Übersetzung einiges schiefgelaufen zu sein. Die Reichweite des eMaxus wird beispielsweise mit dem Wort „Umfang“ angegeben. Bei Menüpunkt „Komfort und Bequemlichkeit“ erwarten uns Kästchen mit willkürlichen Zeilenumbrüchen und Abständen zwischen den Buchstaben. Der Bordcomputer hinter dem Lenkrad bietet grundlegend die gängigen Informationen, wartet aber ebenso mit merkwürdigen Begrifflichkeiten wie „Antriebsmotor Tacho“ auf, was wohl für die Drehzahl stehen soll. Noch ärgerlicher war, dass die Knöpfe für PDC und den Spurhalteassistenten gänzlich nicht funktionierten. Maxus zufolge liegt das daran, dass es sich bei dem Fahrzeug um ein Vorserienmodell handelt. Vor dem Verkaufsstart soll es jedenfalls noch ein Softwareupdate geben.


Maxus eDeliver 9

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