Elektro-Kleintransporter: Partner und Berlingo in der Pubertät

Ob als e-Partner mit dem Löwen, oder als e-Berlingo mit Doppel-Winkel am Kühlergrill: Der neue Stellantis-Van kann viel und weit transportieren, bietet jetzt mehr Leistung, Reichweite und zig Sicherheitsfeatures.
© Foto: Peugeot

Das Transporter-Portfolio langfristig nach unten abrunden soll bei Peugeot, Citroën sowie auch bei Opel ein neuer kleiner E-Transporter. Er bietet passenden Stauraum, bis zu 18 Fahrassistenten und sogar eine Generatorfunktion mit 220V für Notfälle


Datum:
17.11.2021
Autor:
Gerfried Vogt-Möbs
Lesezeit: 
12 min

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Dem Alter nach sind Partner und Berlingo, in verschiedenen Generationen schon 16 Jahre am Markt, längst in der Pubertät angekommen. Für die "Generation Elektro" wurden die beiden leichten Nutzfahrzeuge jetzt nicht nur völlig überarbeitet, sondern auch mit aktuellen neuen Sicherheitsfeatures bestückt. Daneben gibt es nun erweitere Anzeigemodi im Cockpit und am 10 Zoll-Kombiinstrument, als Option ein farbiges Headup-Display und für Handwerker eine sinnvolle Generatorfunktion für 220 V-Kleingeräte. 

Modular aufgebaute Plattformen bilden ja bereits seit längerem die perfekte Basis für modernen Fahrzeugbau. Bei Stellantis hat Partner PSA diesen Part mit in die Zwecke gebracht - genauer gesagt, die EMP-Platform. Sie bildet nicht nur den Hauptbaustein von zig Van- und Pkw-Varianten, sondern ist seit einigen Jahren eine hochfeste und zur Vorgängerbasis um rund 70 kg erleichterte Basis. Als Nachfolger der EMP1 aus dem Jahre 2013 entstand die zweite Modulvariante im März 2017 - perfekt auch für kleine Nutzfahrzeuge wie den Toyota ProAce oder Mittelklasse. Für die elektrische Generation von Peugeot Partner und Citroën Berlingo wurden Antrieb und Batterie samt deren Managementsysteme angepasst und von Grund auf modernisiert. 

Wagen wir mal einen kleinen Vergleich zum Vorgänger: 2017 hob man bei PSA die erste Electric-Generation aus der Taufe. Mit seinem 50 kW (67 PS) starken Gleichstrommotor war der e-Partner 2017 eher untermotorisiert und benötigte 19,5 Sekunden um die 100 km/h zu erreichen. Die Reichweite war mit 170 km angegeben; die Batteriegröße mit 22,5 kW machte den rund 1600 kg schweren Van rund 110 km/h schnell. Das neuen E-Aggregat, das inzwischen 100 kW (136 PS) leistet, wurde mit einer 50 kWh-Batterie auf die Sprünge geholfen. Sie soll die Reichweite der beiden Stellantis-Novitäten um rund 100 km auf maximal 278 km erhöhen, den Sprint von 0 auf 100 schafft das Duo jetzt in 11,2 Sekunden. Das maximale Drehmoment der 2017er Variante erreichen die Neuen schon im mittleren Fahrmodus "Normal".

Performance und Sicherheit an 2022 angepasst

Wer es flotter haben möchte oder viel geladen hat, stellt den Fahrmouds-Vorwahlschalter der Mittelkonsole auf "Power." Aber Vorsicht, messieurs dames - bei der frachtlosen ersten Testfahrt in Maffliers reichten die 260 Nm locker aus, um die Räder an dem Neuling trotz seinem inzwischen auf 1900 kg angewachsenem Leergewichts zum Durchdrehen zu animieren - bei strahlendem Sonnenschein, ohne Herbstlaub oder sonstige traktonshemmende Fahrbahnoberfläche. Aber auch die Taste "Eco" (für optimale Reichweite) macht aus dem Van keine Schnecke, sondern reduziert das Drehmoment lediglich auf 190 Nm. Der elektrische Antriebsstrang (das ist der Elektromotor, ein Wechselrichter und DC/AC-Ladewandler) ist ähnlich dem des aktuellen Peugeot e-Expert - hier wurde freilich das Untersetzungsgetriebe angepasst, um die Nutzfahzeugs-Belastungsbeschränkungen zu erfüllen.

Die Langversion des Kastenwagens veränderten die Entwickler von 4,38 auf 4,75 Meter, der Radstand wuchs entsprechend um rund 25 Zentimeter, was dem Van gut steht. Es macht den Neuen auch ohne Ladung stabil  - auch dank optimierter Lastverteilung der über 200 Kilogramm schweren Batterie - sicher und flott unterwegs zu sein. Diverse Alleen an und um das Städtchen L' Isle-Adam haben mit mäßig einsehbarer Berg- und Talbahnverteilung ihre Tücken, konnten das Fahrwerk des e-Partner aber bei üblichen Überlandtempi nie ernsthaft aus der Ruhe bringen. Sehr von Vorteil ist auch das neue Headup-Display: Damit hat der Fahrer alles im Blick, ohne die Augen von der Fahrbahn zu nehmen. 

Stilfragen und -antworten

Der neue Peugeot e-Partner unterscheidet sich von der Verbrennervariante in kleinen Details. Außen durch das Monogramm "e-Partner“ auf der Rückseite, eine Ladeluke am linken hinteren Kotflügel (an der gleichen Stelle wie die Tankklappe), sowie durch die neue Standard-Radgröße von 16 Zoll. Spendiert wurde dem E-Van außerdem das sogenannte i-Cockpit, ausgestattet mit einem 10-Zoll-Kombiinstrument (25,4 cm) oder einem analogen Kombiinstrument mit Farbmatrix (optional). Es verfügt jetzt über mehrere Anzeigemodi, die über einen Drehknopf am Lenkrad zugänglich sind und es den Fahrenden ermöglichen, das Cockpit individuell einzustellen. Dazu gehören zum Beispiel das Hervorheben von Navigation, Powermanagement oder Fahrhilfen. Das Kombiinstrument wirkt gleich vierfach: als Leistungsmesser, Verbrauchsanzeige, Batterieladezustand, (Energieverbrauch, Ladungsüberwachung, aktuell oder verzögert), außerdem für Bordcomputerinformationen und Reichweite.

Apropos Navigieren: Zur genauen Navigation kann der Fahrer auf die installierte TomTom 3D-Echtzeitnavigation zurückgreifen. Spezifische Grafiken zeigen dort verfügbare Ladepunkte sowie die Reichweite zur Ladestation basierend auf der verbleibenden Akkulaufzeit an (als optional Funktionen). Daneben gibt es unter dem Menüpunkt "Elektrisch" drei Funktions-Extras:  "Flow", um den Live-Energiefluss zu sehen, "Statistics", um die Verbrauchsstatistik anzuzeigen, "Charge” wiederum ermöglicht es, die Ladung zu programmieren.

Bremsen, Fahrhilfen, Assistenten

Elektrisch wirkt beim e-Partner jetzt auch die Feststellbremse: Wie bei allen E-Autos ist Bremsen an eine Rekuperation gekoppelt, die hier zweistufig ausgeführt wurde: Normal kommt dem Bremsvorgang eines Verbrenners nahe, über die Taste "B" (Brake) wird direkt in die Getriebesteuerung eingegriffen, was eine erhöhte Verzögerung beim Loslassen des Gaspedals bewirkt. Eltliche Helferlein stehen beim Fahren und Parken zur Verfügung: eine Rückfahrkamera, Surround Rear Vision (Überwachung der Umgebung hinter und neben dem Fahrzeug mit Wiedergabe auf einem eigenen 5-Zoll-Bildschirm (12,7cm) anstelle des Rückspiegels). Praktisch sind außerdem der Geschwindigkeitsregler/-begrenzer, Kollisionswarner, Notbrems- sowie Fernlicht- und Totwinkelassistent. Achtung - der Spurhalteassistent ist aktiv, er reagiert ab 65 km/h mit einer progressiven Gegenlenkung, die man einkalkulieren muss. Für Handwerker interessant sind die Anhängerstabilisierung, eine Überladeanzeige und der Müdigkeitswarner. 

Lademöglichkeiten und Bordnetz

Zum Laden der Lithium-Ionen-Batterie steht serienmäßig ein Bordladegerät zur Verfügung - mit dem 11-kW-On-Board-Charger (Dreiphasen-Ladegerät) ist der Akku in fünf Stünden wieder voll. Deutlich flotter geht es am CCS-Schnelllader - der soll mit 100 kW Ladeleistung in nur 30 Minuten die Batterie wieder auf 80 Prozent aufpäppeln. Die Ladesteckdose, die sich am linken hinteren Kotflügel befindet, kopperiert mit allen gängigen Lademöglichkeiten, von der Standardsteckdose bis hin zur Wallbox. Praktisch gehts auch anders herum: Beim e-Partner und e-Berlingo sind als Besonderheit in einigen Varianten eine dreifach schaltbare Steckdose zum "Zapfen" verfügbar. Ein Schnäppchen: Nur 90 Euro Aufpreis kostet der Converter/Inverter von 400V DC auf 230V AC oder 12V DC. Bei Nutzung an Ladestationen sollte diese aber mindestens 22 kW aufweisen.

 


Elektrische Van-Neuheiten: e-Berlingo und Peugeot e-Partner

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