Luftlos-Reifen auf Elektroauto: Michelin Uptis im Test

Soll 2024 marktreif sein, rollte aber bereits auf der IAA durch München: Der Michelin Uptis
© Foto: Netzwerk A/Gerfried Vogt-Moebs

Seit rund zehn Jahren tüfteln bei Michelin die Entwickler an einer Revolution, die ins Nachhaltigkeitskonzept des Herstellers passt: Der Uptis läuft ohne Luft. So macht er sich auf einem Elektroauto:


Datum:
04.10.2021
Autor:
Gerfried Vogt-Möbs
Lesezeit: 
8 min

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Unterwegs mit Luftlos-Reifen Michelin Uptis

Jüngste Entwicklungen im Reifensektor betrafen entweder digitale Sicherheitseinrichtungen wie Reifensensoren und deren Übertragungstechnik oder aber Laufflächenmischungen zur Minimierung von Rollwiderstand und Laufgeräusch. Seit rund zehn Jahren tüfteln bei Michelin die Entwickler an einer Revolution, die ins Nachhaltigkeitskonzept des Herstellers passt: Der Uptis läuft ohne Luft und sorgte bei öffentlichen Testfahrten auf der Münchener IAA für so manchen WOW-Effekt.

„Und, fällt Ihnen etwas auf“?, fragt mich der Mann am Steuer des Cooper SE. Ich verneine, wie übrigens alle Beifahrer vor und nach mir. Der Mini mit französischen Kennzeichen surrt entlang der Blue Lane am Köingsplatz, fährt so, wie man sich den elektrischen Kleinwagen eben vorstellt: Nichts rumpelt oder rauscht, der E-Motor schnurrt, beschert den Passagieren komfortables Vorankommen. Schlechte Fahrbahnen gibt es hier zuhauf, der weiß lackierte Bayer pfeifft aber ungerührt durch, nimmt die Kurven stabil und ruhig. Auch ein kurzes Randstein-Auf- und ab scheint für den Mini auf seinen Testpneu kein Knautschproblem zu sein.  „Das einzig Spektakuläre ist wohl seine Unauffälligkeit“, erklärt Matthias Tänzer neben mir. Der Michelin-Mann zeigt Interessierten, was nach zehn Jahre Entwicklungszeit aus einer Idee zum Thema Nachhaltigkeit herausgekommenen ist: Sie funktioniert tatsächlich – auch dank eines einzigartigen Materials und dessen Formgebung

Vom Tweel zum Uptis

200 Millionen Reifen, so erklärt Michelins Kommunikationschef Cyrille Roget, wandern wegen Luftverlust weiltweit jährlich auf den Müll, lange bevor sie ihr abgefahren sind und ihre technische Lebensdauer erreicht haben. Allein zur Resourcenschonung wurde bei Michelin 2009 eine Idee aufgegriffen und weiterentwickelt: Uptis steht für "Unique Punctureproof TIre System", sein Vebundsystem beruht auf einem Konzept für Baumaschinen, das bereits 2004 umgesetzt wurde. Felge und Reifen bilden dort eine Einheit, bestehend aus vielen flexiblen Speichen, die das Gewicht tragen und an den Außenring weitergeben. „Der Tweel war nur für langsame Geschwindigkeiten einsetzbar, denn dort besass der Außenring noch keine Strukturverstärkung. Wir haben beim Uptis zwar die Grundidee übernommen, aber sonst alles von Grund auf neu entwickelt“, erklärt Roget am IAA-Stand des Münchener Königsplatzes. Das Geheimnis ist vielschichtig, besteht auch aus den Lamellen des elastischem Glasfasermaterials, ihrer einizgartiger Formgebung und deren Verbindung zum tragfähigen Karkasse, die außen mit einem modernen Profil versehen ist. Wie bei Lkw-Reifen soll der Uptis auch retreadfähig sein und mit neuer Profillauffläche versehen werden können.

Markteinführung für 2024 angepeilt

Bis an die Grenzen, so Roget, hätten die Tester ihre Prototypen bereits gestet – der Reifen am Cooper SE sei per Geschwindigkeitsindex bis 210 km/h fahrbar, für den Großraum München und die IAA-Vorstellung habe man sich auf maximal 80 km/h geeinigt. Tests liefen bereits mit OEMs in Las Vegas, sollen im nächsten Jahr auch noch in Singapur folgen, und auch die Festlegung von Sicherheitsstandards und Regularien eines solchen neuen Produkts erfordern wohl noch jede Menge Arbeit. Nichts was Roget und sein Team scheut – schließlich gab es kurz vor Corona auf der Tire Technology Expo 2020 in Hannover für den Uptis bereits einen Preis als „Reifentechnologie des Jahres“ – 50 Patente besitzt Michelin für seine Neuheit, die 2024 auf den Markt kommen soll, wohl in erster Linie für Flottenkunden interessant sein könnte.

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