VW ID.3: Der neue Stolz aus Wolfsburg

Seit diesem Sommer ist der Fuhrpark von Springer Fachmedien München elektrisch. Eines der Fahrzeuge ist ein ID.3 von VW.
© Foto: Michael Blumenstein / Autoflotte

Volkswagen wird elektrisch. Das erste originäre Elektroauto aus Wolfsburg kommt jedoch aus Zwickau und verstärkt für 24 Monate die Redaktionen von Springer Fachmedien in München.


Datum:
02.12.2020
Autor:
Michael Blumenstein / Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
10 min

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Ohne Elektro geht nichts mehr. Bei keinem der Hersteller. Einige Länder haben kürzlich das Verbrenner-Aus in 15 Jahren festgeschrieben, andere steuern darauf zu und ein Ausweg aus dem Ausweg ist nicht in Sicht. Ob das alles auch für Flotten sinnvoll ist, sei dahingestellt. Elektromobilität ist toll – zweifelsohne. Und in vielen Fällen die sinnvollste Art, sich individuell fortzubewegen – aber eben (noch) nicht in allen Fällen. Aus ökologischen Gesichtspunkten wie aus ökonomischen.

Auch netzwerk A ist seit Sommer 2020 rein elektrisch unterwegs – zumindest mit den eigenen Firmenwagen. Den Corsa-e haben wir bereits einem ersten Test unterzogen. Nun ist VWs ID.3 dran, den wir seit Oktober im Fuhrpark haben. Als Ausstattung wählten wir die mittlere, Pro Performance 1st Plus mit 204 PS und wassergekühltem 58 kWh-Akkupack. Nicht mehr und nicht weniger. Denn was VW sonst meist in Hülle und Fülle anbietet, gibt es beim 1st Edition und auch beim ID.3 nicht: Ausstattungsoptionen. Friss oder stirb lautet bei diesem Stromer die Devise.

Nur mit Zusatzvereinbarung und wenig Sound

Vor Vertragsabschluss mussten wir zudem eine "Zusatzvereinbarung" unterschreiben und uns damit einverstanden erklären, dass "App Connect" und "Augmented Reality Head-up-Display" bei Auslieferung des Fahrzeugs fehlen werden. Das Head-up-Display hat eh nur die Topversion "Max". Die fehlende Funktion App Connect tut weh, denn sie beinhaltet unter anderem Apple Carplay und Android Auto. Gut, dass der "Plus" stets ein Navi an Bord hat. Schlecht, wenn die Spracheingabe (trotz Onlineanbindung) eine Reihenfolge beim Ansagen des Navigationsziels vorgibt. Das gab es schon vor zehn Jahren. Kritik gibt es auch bei der Infotainment-Ausstattung. "4 +1" Lautsprecher heißt es im Prospekt. Für vorne ist das okay, im Fond sehr anachronistisch. Denn gute Musik oder Hörspiele für die Kinder kommen hinten nur unzureichend an. Eine Option, das 6+1-System aus dem Max zu ordern, gibt es nicht.

So sitzen wir also bereits mitten drin im geräumigen ID.3, der als recht übersichtlich durchgeht. Die Doppel-A-Säule hilft hier ebenso wie große Fensterflächen. Lediglich hinten raus ist die Heckscheibe schmal geraten. Platzmangel kann man dem 4,26 Meter-Sachsen nicht vorwerfen. In alle Richtungen ist etwas mehr Luft als im Golf (ins Gepäckabteil geht ähnlich viel), wenngleich die Höhe vor allem auf dem Beifahrersitz für einige gerade ausreichend sein mag. Eine Sitzhöhenverstellung gibt es nur beim? Richtig: Max. Bei der Außenlackierung hatten wir die Wahl zwischen grau, anderes grau, weiß (irgendwie auch bisschen grau) und grün. Wir haben uns für Makena-Türkis Metallic Schwarz entschieden. Grün unten, schwarz oben. Nicht schön, aber ein Poolfahrzeug sollte einen klitzekleinen Farbakzent setzen.

Innen: hell. Sehr hell

Das Interieur lautet "Platinum Grey - Dusty Grey Dark". Also dunkel. So vermuteten wir. Leider hat der Verkäufer uns nicht darüber aufgeklärt, dass beispielsweise das Lenkrad weiß sein wird. Wie so etwas passieren kann? In dem man vor Vertragsabschluss lediglich niedergeschriebene Ausstattungsdetails gezeigt bekommt und davon ausgeht, dass der Verkaufsberater darauf hinweist, dass eine helle Innenausstattung bei einem Poolfahrzeug eher suboptimal sein könnte. Danke an der Stelle, in 24 Monaten sehen wir uns wieder. Und da wollen wir nichts, aber auch gar nichts über eventuelle "Verfärbungen" hören. Der Dachhimmel ist übrigens anthrazit – warum auch immer.

Immerhin gab es bereits Zuspruch ob der Farbauswahl. Natürlich eher von denen, die den Innenraum nicht Corona-rein hinterlassen müssen, weil sie den ID.3 meist von außen sehen, oder gar nicht mit fahren, da die Dienstfahrt ja bis Frankfurt geht und das sei mit einem E-Auto definitiv nicht machbar, weshalb ein Mietwagen umständlich und teuer organisiert wird. Oder aber, weil stets beigefarbene Chino-Hosen und hellblaue Hemden montiert sind – und weiße Autofahrerhandschuhe vielleicht auch. Wie dem auch sei, liebe Kolleginnen und Kollegen. Desinfektions-Besteck liegt im Fahrzeug. Denn auch das sollte in Coronazeiten bedacht werden. Zudem steht unser ID.3 an der neuen Ladesäule in der Garage meist mit leicht geöffneten Fenstern, des Luftaustauschs wegen – sofern man die Fenster hinten öffnen konnte. Viele werden sagen: Für hinten gibt’s nur hinten Fensterheber.

Die Materialauswahl ist der eines Fahrzeugs für 45.000 Euro (brutto) nicht würdig. Eventuell hebt die helle Innenausstattung die Defizite nochmals hervor. In schwarz sähen Spaltmaße und Passungen sicherlich weniger derb aus. An der von innen mit Sprühnebel versehenen Motorhaube oder den nicht geteilten Heckleuchten ändert das freilich nichts. Dafür sind die Sitze bequem, für VW-Verhältnisse zwar weich, ungewohnt, aber dennoch gemütlich. Die Sitzposition lässt sich gut justieren, wenngleich es weder Lordosenstütze noch eine Schenkelauflagen-Neigungs- oder Gurthöhenverstellung gibt.

Der VW ID.3

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