Studie: Plug-In Hybride oft nicht als Dienstwagen geeignet

Clevere Lösung oder Verstärker des Problems? Plug-In Hybride stehen wieder einmal in der Kritik
© Foto: REMINDFILMS / stock.adobe.com

Eine Studie, an dem das Fraunhofer Institut beteiligt war, hat ergeben: Plug-In Hybride verursachen teils erheblich höhere CO2-Emissionen als herkömmliche Verbrenner. Die deutsche Umwelthilfe fordert politische Konsequenzen


Datum:
29.09.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
4 min

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Dicke Luft für Plug-In Hybride! Das international council on clean transportation (icct) hat gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut eine Studie zur Nutzung von PHEV veröffentlicht. Dabei wurden, so die Autoren, Daten von über 100.000 Fahrzeugen weltweit gesammelt. Es handele sich um 66 Modelle in insgesamt 202 Varianten. Die Tests wurden sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld durchgeführt. In Deutschland habe man 72 Dienstwagen untersucht, weitere 10.800 stammen aus der Niederlande. Die Forscher wollten herausfinden, wie hoch der elektrische Fahranteil im Realeinsatz ist. Die Ergebnisse wurden dann mit den NEFZ-Werten verglichen.

Fatale Fehlnutzung

Dabei kommen die Experten zu einem fatalen Urteil: Die Dienstwagen in Deutschland und in der Niederlande werden gerade mal zu 20% elektrisch genutzt. Der mittlere Anteil im NEFZ-Zyklus liegt bei 63%, er ist also mehr als drei Mal so hoch. In Deutschland liegt der elektrische Teil sogar nur bei 18 Prozent, so die Studie. Die Folge: Die Abweichung der CO2-Emissionen der PHEV gegenüber der Testzyklen liege bei einem Faktor von drei bis vier. Also: Der CO2-Ausstoß ist damit drei- bis vier Mal höher, als gedacht.

Einen Grund finden die Autoren auch. Schuld scheint nicht die Technik sondern die Ladefaulheit der Fahrer zu sein. Die Dienstwagen wurden laut der Erhebung im Schnitt nur alle zwei Tage an die Steckdose gehängt – so kommen die hohen Verbrenneranteile zustande. Die Folge ist, dass das jeweilige Fahrzeug am Ende mehr CO2 ausstößt, als es vielleicht beispielsweise ein vergleichbarer Diesel getan hätte.

Forderungen nach Folgen

Das Icct fordert im Nachgang, dass die Hersteller ihre Fahrzeuge mit größeren elektrischen Reichweiten ausstatten sollten. Als Beispiel wird die Zahl 90 Kilometer genannt, um zumindest im privaten Bereich einen Großteil aller Strecken elektrifizieren zu können. In Flotten sollte genau geprüft werden, welche Nutzer aufgrund ihres Fahrprofils überhaupt für einen PHEV geeignet sind. Es brauche außerdem viele Lademöglichkeiten und Anreize für elektrische Fahrten – zum Beispiel eine Begrenzung des Budgets für Benzin und Diesel auf Tankkarten.

Förderung abschaffen

Die Deutsche Umwelthilfe geht mit ihren Forderungen noch weiter. Sie regt an die staatliche Förderung von Plug-In Hybriden noch in diesem Jahr zu beenden. Der Verein selbst hatte Anfang September Zahlen veröffentlicht, nach denen der Verbrauch von PHEV bei bis zu 600% über den amtlichen Angaben liege.

Alle Ergebnisse der Studie finden Sie hier.

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