Leitfaden: Das müssen Sie beim Kauf eines gebrauchten E-Autos beachten

Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos gibt es einige Punkte zu beachten.
© Foto: T7 Marketing/Fotolia

Mittlerweile nimmt auch der Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge gut Form an. Einige Stromer gibt es mittlerweile zu deutlich erschwinglicheren Konditionen als es bei Neuwagen der Fall ist. Allerdings sollten Sie bei den Gebrauchten einige Sachen beachten, bevor sie sich für einen solchen als Dienstwagen entscheiden.


Datum:
23.12.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
8 min

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1.       Check von außen

Der erste Eindruck verrät schon einiges über den Pflegezustand des Gebrauchtwagens. Gibt es rostige Stellen? Hängen lose Teile umher? Welchen Eindruck machen die Bremsscheiben? Diese können bei Elektroautos oft verrosten, da sie seltener genutzt werden. Manche Hersteller (ohne Namen nennen zu wollen) sind in der Szene nicht gerade für saubere und hochwertige Verarbeitung bekannt. Oft wird hier gespart, damit das Auto nicht übertrieben teuer wird. Außerdem sollte die Reifenprofiltiefe gecheckt werden, da die Pneus an E-Fahrzeugen aufgrund des höheren Drehmoments in der Regel schneller abgefahren sind.

2.       Ab auf die Hebebühne

Für tiefergehende Untersuchungen ist es ratsam auf eine Hebebühne zu fahren und sich fachkundige Unterstützung zur Seite zu holen. Beim gebrauchten Elektroauto sollte nach Möglichkeit das Fahrwerk angesehen werden. Das höhere Gewicht des Fahrzeugs führt zu einer stärkeren Belastung, die sich auf die Spur und den Sturz des FW auswirken können. Bei dieser Gelegenheit sollten auch die Wellen und Lager am Antrieb begutachtet werden. Schließlich lohnt sich auch ein Blick auf Dämpfer und Federn. Diese sind auch stärker beansprucht, wodurch es zu Verschleißschäden kommen kann.

3.       Batterie

Wir nähern uns nun dem Herzstück des Elektroautos: der Batterie. Sie treibt das Fahrzeug an und gehört deshalb zum Pflichtprogramm, wenn das Auto begutachtet wird. Auf der Hebebühne wird der Schutzrahmen auf äußere Beschädigungen geprüft. Grundsätzlich gilt zu beachten: Batterien halten nach führender Expertenmeinung deutlich länger als bisher angenommen. In Laborversuchen wurden schon Zyklen mit teils mehreren Millionen Kilometern erreicht. Aber, das ist auch nur ein Teil der Wahrheit. Denn mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie der Gebrauchtwagen zuvor geladen wurde. Wenn viele Ladungen an der heimischen Wallbox durchgeführt wurden, ist das prinzipiell als gut einzustufen. Stand das Fahrzeug fast nur an der CCS-Schnellladesäule, ist Vorsicht geboten. Denn jede dieser Ladungen bedeutet Stress für die Zellen, die dadurch an Kapazität verlieren können. Der TÜV Süd empfiehlt, mit dem Auto zu einer Herstellerwerkstatt zu fahren und ein Batterieprotokoll anfertigen zu lassen. Dieses gibt einen ersten Eindruck vom Zustand des Akkus.

4.       Ausstattung

Selbstverständlich wollen Sie auch ein Auto fahren, das zeitgemäß ausgestattet ist. Fragen Sie den Verkäufer, ob der Wagen Rekuperation hat und wenn ja wie viele Stufen. Gerade bei älteren Modellen gehörte die Energierückgewinnung nicht unbedingt zum Standardrepertoire. Weiter geht’s zum Ladeanschluss. Bietet das Auto eine Schnelllademöglichkeit, zum Beispiel CCS? Welche Ladebuchse ist verbaut? (Japanische Fahrzeuge haben oft noch einen Typ-1-Anschluss, für den man einen Adapter braucht). Hat es einen dreiphasiger Lader an Bord? Das ist besonders wichtig, wenn eine große Batterie verbaut ist. Als „lockere Grenze“: Alles über 50 kWh Kapazität ist als groß zu bewerten. Man sollte darauf achten, dass ein dreiphasiger Onboardlader im Auto verbaut ist, ansonsten lädt das Auto mit einphasigem Lader nur 3,6 bis 4,6 kW, unabhängig von der Stärke der Wallbox. Weiter geht’s zum nächsten Punkt: Ist auch ein funktionstüchtiges Ladekabel vorhanden? Werfen Sie außerdem einen Blick auf das Multimedia-System. Hier können Sie überprüfen, ob das Fahrzeug mit der aktuellsten Software ausgestattet ist. Außerdem sollten Sie schauen, dass ein Navi verbaut ist, das Ihnen in der Umgebung die nächsten Ladesäulen anzeigt. Ist das Kartenmaterial auch noch aktuell? Besonders beim derzeit schnellen Ausbau der Ladeinfrastruktur kann es passieren, dass innerhalb eines Jahres einige neue Säulen dazukommen, die auf alten Karten nicht eingezeichnet sind. Zu Guter Letzt sollten Sie bei der Ausstattung Wert darauf legen, dass eine Sitzheizung vorhanden ist. Diese ist bei kälteren Temperaturen fast schon unabdingbar, da E-Autos eher schlecht und meist mit Verlust von Reichweite aufheizen. Ideal wäre, wenn das Fahrzeug eine Wärmepumpe verbaut hat, die nicht zusätzlich die Batterie belastet.

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