Interview: "Stromtanken muss einfach sein"

CEO Christoph Erni von Juice Technology wünscht sich einfaches Laden und günstige Strompreise beim Schnellladen.
© Foto: Juice Technology

Der Schweizer Ladetechnologie-Anbieter Juice Technology bietet besonders handliche und flexible Ladelösungen für Elektroautos an. Laut CEO Christoph Erni möchte das Unternehmen aber künftig auch auf dem Schnelllademarkt mitmischen.


Datum:
02.02.2021
Autor:
Alexander Junk
Lesezeit: 
5 min

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Kurzfassung

Der Schweizer Hersteller Juice Technology hat sowohl mobile Ladelösungen ("Juice Booster") als auch stationäre Ladelösungen ("Juice Charger") mit der Möglichkeit der Kredit- und EC-Kartenbezahlung im Angebot.

asp: Herr Erni, welche Ladeprodukte von Juice Technology werden in Deutschland am meisten nachgefragt?

Christoph Erni: Deutschland ist ein wichtiger Markt für uns, in dem wir unsere gesamte Produktpalette vom Juice Booster, Juice Charger bis hin zum DC-Schnelllader verkaufen. Deshalb haben wir eine direkte Anbindung an das Backend der Energieversorger realisiert, das von den meisten verwendet wird - nämlich das von Wilken. Wir sind damit der einzige Anbieter von Ladelösungen, der mit diesem Backend kommuniziert.

asp: Für wen ist Ihr wichtigstes Produkt, der Juice Booster, geeignet? Auch für Werkstätten?

C. Erni: Der Juice Booster ist für alle gleichermaßen geeignet und aufgrund seiner Zuverlässigkeit auch die Grundlage jeder Ladelösung von uns. Mit dem Juice Booster sind wir auch in Werkstätten erfolgreich, da diese für die Ladung von E-Autos heutzutage zwei bis drei Ladestationen installieren müssen und dann lieber den Juice Booster als eine fixe Wallbox kaufen.

asp: Was spricht gegen die Installation einer Wallbox?

C. Erni: Mit dem Juice Booster ist man deutlich flexibler, denn E-Autos lassen sich auch an der roten CEE-32-Steckdose laden, die normalerweis in jeder Werkstatt vorhanden ist. Dank Verlängerungskabel ist eine Hinführung zum Auto auch kein Problem. Das Auto kann beispielsweise schon auf der Hebebühne geladen werden, während der Mechatroniker noch die Bremsenwartung macht. Wenn es regnet, muss das Auto auch nicht draußen an der Ladesäule geladen werden, sondern kann in der trockenen Werkstatt stehen. Das spart auch Zeit und Geld.

asp: Ist der Juice Booster mit der Leistung einer Wallbox vergleichbar?

C. Erni: Der Juice Booster kann bei entsprechender Absicherung mit maximal 22 Kilowatt Leistung laden, was den stärksten Wallboxen entspricht. Durch die sprichwörtliche Robustheit bei minimaler Größe ist das Gerät praktisch unkaputtbar und deshalb für Werkstätten eine gute Wahl. Außerdem funktioniert es in jedem Stromnetz und mit jedem auf dem Markt erhältlichen Auto einwandfrei und zuverlässig, was leider keine Selbstverständlichkeit ist.

asp: Wozu benötigt man den Juice Phaser, den Sie ebenfalls anbieten?

C. Erni: Im Grunde kann der Phaser zwei Stromphasen der CEE-Steckdose kombinieren, was eine höhere Ladeleistung bei einphasig ladenden Autos ermöglicht, da man in Deutschland nicht mehr als 20 Ampere Schieflast generieren darf. In allen anderen Ländern, außer Frankreich und England, sind es sogar nur 16 Ampere Schieflastunterschied. Der Phaser zieht aus zwei Phasen je 14 Ampere und verbindet diese zu 25 Ampere auf einer Phase, sodass man schieflastkonform ist und mit immerhin 5,8 Kilowatt konform laden kann.

asp: Funktioniert der Juice Phaser auch mit Wallboxen oder Ladelösungen anderer Hersteller?

C. Erni: Nein, der Juice Phaser funktioniert nur mit dem Juice Booster und kommuniziert auch nur mit ihm. So aktiviert der Juice Booster den Phaser beispielsweise nur, wenn ein Auto angesteckt wird. Das hat den Vorteil, dass kein Ruhestrom für den Phaser benötigt wird, was rund 50 Euro Stromkosten im Jahr spart.

asp: Für wen eignen sich die stationären AC-Ladestationen, die Sie auch anbieten?

C. Erni: Unsere Ladestation Juice Charger wird häufig im öffentlichen und halböffentlichen Raum oder auch bei Parkplätzen eingesetzt. Tatsächlich installieren wir den Juice Charger mit Säule auch in Tiefgaragen, weil er zusätzlich das ganze Lastmanagement sowie unterschiedliche Freischaltungs- und Abrechnungssysteme beinhaltet. Gerade im öffentlichen Bereich ist hier Flexibilität gefragt. Ebenfalls wichtig: die Interaktion mit dem Kunden. Die Ladestation muss intuitiv und einfach zu bedienen sein. Über das hochauflösende Farbdisplay kann sich der Nutzer kinderleicht durch das Menü klicken. Beim Juice Charger 3 werden dann auch Funktionen wie Google Maps zur Verfügung stehen, die dem Kunden ermöglichen, während der Ladezeit beispielsweise ein naheliegendes Restaurant aufzusuchen - ohne dabei das Smartphone nutzen zu müssen. Gerade im Ausland oder bei schlechtem Netz ein enormer Pluspunkt in Sachen Kundenfreundlichkeit.

asp: Mit den stationären Ladelösungen bieten Sie auch die Zahlung per Kreditkarte an. Wann kommt das in Deutschland zum Einsatz?

C. Erni: Es gibt schon erste Stationen. Wir führen aktuell viele Gespräche und haben auch schon zahlreiche Abschlüsse. Ich darf hier jedoch noch keine konkreten Namen nennen. Das wird sich jetzt sehr schnell in Deutschland verbreiten. Stromtanken muss einfach sein, und das geht am besten mit weltweit funktionierenden Zahlungssystemen. Es kann nicht sein, dass Anbieter von Ladesäulen auf eine bestimmte Karte beschränkt sind. Wir glauben, eine Zahlung ohne Hürden Foto: Alexander Junk ist die Zukunft, bis der ISO-Standard 15118 kommt. Dann ist das Zahlungssystem obsolet, da sich E-Autos wie bei Tesla beim Tankvorgang selbst identifizieren können und die Stromrechnung direkt auf das Auto gebucht wird.

asp: Eignet sich die Bezahlfunktion des Juice Charger auch für Fahrzeugflotten oder Fuhrparks von Unternehmen?

C. Erni: Absolut, hier könnte kann man ebenfalls Kreditkarten oder auch eigene RFID-Karten verwenden. Wir können auch RFID-Chips einlesen, die die Mitarbeiter allenfalls sowieso schon haben, zum Beispiel für ihre Haus-Zutrittssysteme.

asp: Sind DC-Schnelllader auch ein Thema für Juice Technology? Wann gibt es Schnelllader mit Kreditkartenabrechnung an deutschen Autobahnen?

C. Erni: Die gibt es schon, da sind wir dran. Wir überlegen uns auch, wie weit wir direkt in den Schnelllade-Markt einsteigen wollen. Dann würden wir uns auf alle Fälle das Recht herausnehmen, einen fairen Preis zu verlangen. Der liegt in Deutschland bei rund 35 bis höchsten 39 Cent pro Kilowattstunde. Höhere Strompreise werden sich die Kunden künftig nicht mehr bieten lassen.

Interview: Alexander Junk

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