Fahrt und Fazit


Datum:
01.12.2020
Autor:
Michael Blumenstein
Lesezeit: 
8 min

2 Kommentare

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Kolonne, 115 km/h

Also heißt es, ob der Vergleichbarkeit, Kolonne fahren. Der ID.3 hat stets Vorfahrt, Lexus und Volvo tauschen von Zeit zu Zeit den ersten Verfolgerplatz. Denn bekanntermaßen ist der Energieaufwand für den Letzten am größten, anders als beim Radfahren ist Windschattenfahren bei uns ein Tabu. Auf den ersten 20 Kilometern wühlen wir uns durch den Münchener Stadtverkehr. Den Volvo lassen wir hier bereits im „Hybridmodus“ rollen, sein 13,8 kWh-Akku ist „randvoll“. Er soll selbst entscheiden, wann er sich Strom gönnt und wann Benzin dazu kommt. Beim Lexus ist diese Kombination gesetzt, er kann nicht anders – lediglich Strecken von bis zu etwa einem Kilometer rollt er elektrisch; und der ID.3 startet mit 58 Kilowattstunden Energie ins „Rennen“. Laut Anzeige schafft er damit 340 Kilometer, errechnet aus den Fahrprofilen zuvor.

Als Autobahn-Richtgeschwindigkeit haben wir dem ID.3 115 km/h vorgeschrieben. Zum Überholen darf beschleunigt werden, über 135 km/h (kurzzeitig) fuhren wir nie. Die erste längere Strecke mit dem ID.3 sollte für uns nicht in einem Lade-Debakel enden. Denn unser Ziel war definiert: Der neue EnBW-Ladepark in Rutesheim, kurz hinter dem Autobahnkreuz Leonberg. Dort soll es schön sein und die Ladesäulen schaffen bis zu 350 kW. 100 davon kann der ID.3 nutzen. Und ganz nebenbei sind die drei Kandidaten nicht zum Rasen gemacht. Der ID.3 schafft höchstens 160 km/h, Lexus und Volvo nur 20 mehr. Und dass, obwohl der Volvo 340 gesammelte PS aufweist, die der doppelt aufgeladene Benziner (Kompressor und Turbolader) vorne und der E-Motor hinten in Kombination generieren.

Überraschung bei Ankunft

Den Start der Fahrt gehen wir sehr gelassen an. Doch spätestens bei Ulm juckt es, auf Autobahn-Richtgeschwindigkeit erhöhen zu wollen. Aber wir bleiben tapfer bei 115 km/h. Nach gut zweieinhalb Stunden sind wir da. Im EnBW-Ladeparadies. Wie erwartet: nix los. Gut für uns. So pumpen wir den ID.3 voll um währenddessen Fotos zu machen und die Verbrauchswerte zu analysieren. Laut Bordcomputer gönnte sich der VW 18,3 kWh pro 100 Kilometer mit Heizung gefahren. Der Volvo kam auf exakt sechs Liter mit einer Einmalladung Strom und der Lexus? Der ließ sich 5,3 Liter Superbenzin schmecken.

Mit Ladeverlusten, also dem Stromverlust, der auf der Strecke von der Ladestation durchs Kabel bis ins Auto entsteht, kommen wir beim ID.3 auf rund 19 kWh pro 100 Kilometer, macht 9,50 Euro pro 100 Kilometer. Sechs Liter mal 1,25 Euro für einen Liter Super kosten den Volvo knapp 7,50 Euro plus Einmalfüllung 14 kWh Strom. Und der Lexus? Trotz seiner vergleichsweise einfachen Technik „verlangt“ er nur 6,60 Euro fürs Benzin.

Dass die Gesamt-Rechnung am Ende nicht zugunsten des Japaners ausfällt, ist der Gesetzgebung geschuldet. Beim ID.3 erhalten Käufer und Leasingnehmer, sofern die Laufzeit mindestens 24 Monate beträgt und er einen Nettopreis von unter 40.000 Euro aufweist, wie unserer, bis zu 9.000 Euro von Staat und Hersteller und der Dienstwagen-Fahrende wird mit einer Viertelung der Dienstwagenbesteuerung belohnt. Das kann sich rechnen. Noch mehr rechnet sich aber für viele die Kombination aus Stecker und Verbrenner. Mit 5.625 Euro (davon 3.750 Euro als staatlicher Umweltbonus sofern mindestens 24 Monate geleast wird) – als Hinweis auf die neue Förderrichtlinie seit Mitte November – wird der V90 T6 Recharge bezuschusst, der einen Listenpreis mit Extras von 73.000 Euro aufweist. Die Fahrerfraktion genießt noch immer die Halbierung der Dienstwagenversteuerung, die die Allgemeinheit zahlt.

Und der Lexus? Der kostet in der Top-Line (Luxury Line) mit Extras gut 65.000 Euro. Keine Anreize, keine Förderungen, nichts. Dabei ist er gerade für User-Chooser das Ideal aus Pendlerfahrzeug und Langstreckenmobil. Denn auch bei flotter Gangart laufen selten mehr als sieben Liter durch die antiquiert anmutende Saugrohreinspritzanlage des Benzin-Hybrids, der nach dem Atkinson-Prinzip arbeitet. Ein Verfahren, das von vielen Herstellern belächelt wird. Doch irgendwie scheint es so, als ob die „einfache“ Hybridtechnik auf dem Weg zum Verbrennerverbot die ehrlichste Art der Fortbewegung sein könnte.

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KOMMENTARE


Domanovszky Henrik

17.12.2020 - 10:47 Uhr

Sehr geehrter Journalisten, es ist schade eigentlich, dass ein CNG Fahrzeug nicht dazu stellt. Das ergebniss könnte schockend, ein Golf TGI zum beispiel würde weniger sprit kosten als halfte von ID3. Und es sogar kann das autobahn Geschwindigkeit ruhig leisten.... Immer gesagt, wie viel besser effizient die elektrisch Fahrzeug ist, nur nie gesagt, das verlust ist schon grossteilig früher rausgezogen ist. Sonst das Artikel ist gut! MfG Henrik Domanovszky


netzwerk A

21.01.2021 - 10:24 Uhr

Lieber Herr Domanovszky, vielen Dank für Ihren Kommentar. Im vorliegenden Vergleich ging es uns vor allem um die Gegenüberstellung von Fahrzeugen mit verschiedenen Elektroantrieben. Wir nehmen aber gerne Ihren Anreiz auf, auch häufiger CNG-Fahrzeuge zu berücksichtigen. Einen interessanten Langzeittest mit einem Erdgasauto finden Sie übrigens hier: https://www.netzwerk-a.de/themen/pkw/dauertest-mit-erdgas-skoda-2682033 Herzliche Grüße Ihr Team von netzwerk A


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