Ein Gruß aus der Küche

Der neue Mégane bietet ein Antriebs-Dreierlei: Er hat einen Benzinmotor, einen Elektromotor und einen elektrischen Startgenerator 
© Foto: Angelika Emmerling

Renault schubst mit dem Mégane Grandtour E-Tech Plug-in 160 (was ein Name...) einen neuen Hybriden auf den Markt. Gehört der Kombi eher zur haute cuisine oder droht gar eine mittelschwere Magenverstimmung? Wir haben den Franzosen auf Herz und Nieren überprüft.


Datum:
04.09.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
5 min

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Man könnte es ein „Faceliftchen“ nennen, das Renault bei seinem aktuellen 2016er Mégane vorgenommen hat. Bis auf die Laufband-Blinker am Heck lassen sich auf den ersten Blick so gut wie keine Änderungen feststellen. Dafür gibt es den Kombi aber jetzt auch mit neuem Antrieb. Das fällt spätestens beim Rundumblick auf. Denn: Es gibt zwei Tankdeckel. Links für Benzin, rechts für Strom. ENDLICH mal ein E-Stecker, der auf der richtigen Seite (= nicht auf der Verkehrsseite), platziert wurde. Das macht Lust auf mehr. Der Tank für Sprit fasst nicht ganz 40 Liter, die Batterie, die mitsamt anderer E-Komponenten im Heck verbaut wurde, kann 10 Kilowattstunden aufnehmen. Insgesamt wiegt der Mégane damit 1,7 Tonnen.

Keine Rennmaschine

Kombiniert bringt der Hybrid eine Leistung von 158 PS auf die Straße. Dass sich damit kein Rennen gewinnen lässt, zeigt sich während unserer Testfahrt sehr schnell. Von 0 auf 100 km/h nimmt sich der Franzose etwa zehn Sekunden Zeit, ab 183 km/h tritt die Tachonadel auf der Stelle. Das ist aber nicht weiter schlimm, gibt es doch in quasi allen Ländern, und vielleicht auch bald Deutschland, ein Tempolimit auf den Autobahnen. Als würde Renault das schon vorhersehen, liegt die für uns angenehmste Reisegeschwindigkeit bei 130 km/h. Hier zeigt sich das Auto angenehm in der Handhabung und schön leise. Eine Hilfe auf dem Weg dahin ist auch die Multi-Mode-Automatik, die sich im Prinzip wie eine stufenlose Automatik anfühlt.

Benzin aus, Strom an

Wer die Autobahn verlässt, wird spätestens im Stadtverkehr den Elektromotor bemühen. Dieser soll laut Hersteller unter realistischen Bedingungen 65 Kilometer schaffen. Auf unserer Testfahrt, die nicht nur durch die Stadt sondern auch über Ortschaften und Autobahnen führte, kamen wir rein elektrisch 49 Kilometer weit, was völlig in Ordnung ist. Auch hier gilt: Weniger ist mehr. Wer es drauf anlegt, schafft es mit dem E-Aggregat auch auf 135 Sachen. Dann sagt der Akku allerdings schon nach 20 Kilometern au revoir. Wie andere Hersteller auch hat Renault seinem Schützling einen zweiten Rekuperationsmodus, erkennbar am „B“ am Schalthebel, spendiert. Damit lässt sich das Bremspedal fast restlos ersetzen – dafür wird beim Verzögern Energie zurückgewonnen.

Plug in and find out

Früher oder später will auch der Mégane E-Tech Plug-in mal an die Steckdose. Wir haben uns zwei Möglichkeiten angesehen: Man wählt die Standard-Schuko-Steckdose, dann dauert es rund fünf Stunden, bis der Akku wieder voll ist. Mit einer Wallbox funktioniert das in etwa drei Stunden. Braucht man die bei einem Hybriden? Muss jeder selbst wissen. Aus den Zahlen lässt sich jedenfalls schließen, dass der Onboard-Lader des Autos etwa vier kW in einer Stunde in den Akku quetscht. Das müht passionierten E-Mobilisten maximal ein müdes Lächeln ab. Aber es ist halt auch ein Plug-In-Hybrid. Bei einer 10 kWh-Batterie fällt die Leistung des Onboard-Laders bei weitem nicht so ins Gewicht wie bei Kollegen von Tesla, Jaguar und Co.

Ein bisschen Unterstützung

Schauen wir uns zum Schluss noch die technischen Finessen des Mégane an. In puncto Sicherheit ist der Halb-Stromer ab der Ausstattungslinie „Intense“ auf der Höhe der Zeit. Hier gibt es dann den Autobahn- und Stauassistenten. Das Auto erkennt die Markierungen der Straße und greift im Falle eines Falles ein. Außerdem kann der Mégane, anders als Kumpanen anderer Fabrikate, automatisch bis zum Stillstand abbremsen. Leider hatten wir keine Möglichkeit die 30 Watt Voll-LED-Scheinwerfer in ihrer ganzen Pracht, sprich nachts, zu sehen. Diese gehören übrigens zur Standardausstattung des Mégane, was sich andere Hersteller mit einem saftigen Aufpreis bezahlen lassen. Leider gibt’s die LEDs nicht als Matrix-Variante. Für Gewerbekunden empfehlen wir zum Schluss die Ausstattungslinie „Business-Edition“. Diese hat einige hilfreiche Features an Bord, zum Beispiel ein Parkpiepser vorne, Anklappspiegel und ein Navi, das drei Jahre lang kostenlos Staudaten in Echtzeit zur Verfügung stellt.

Unser Fazit? Mit einem Plug-In-Hybriden kocht man sich sowieso nur schwer in Sterne-Kategorien. Aber für eine freundliche und ehrlich gemeinte Empfehlung reicht es auf jeden Fall. Bon appétit!


Renault Mégane Grandtour E-Tech Plug-in 160

Bildergalerie

Technische Daten

Leistung: 116 kW/158 PS Drehmoment: 349 Nm
Beschleunigung (0-100 km/h): 9,8 s Höchstegeschwindigkeit: 183 km/h
Verbrauch (WLTP): 1,3 Liter Superbenzin + 9,8 kWh auf den ersten 100 Kilometern  rein elektrische Reichweite: 54 km (WLTP)
Batteriekapazität: 9,8 kWh Ladezeit bei 2,3 kW Steckdose: ca. 5 Std
CO2-Ausstoß: 29 g/km  Maße: 4.626 x 1.814 x 1.449 mm 
Kofferraumvolumen: 389 –  1.372 l Preis: ab: 29.403 Euro 

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