e.Go - ein elektrisches Stadtauto im Test

Dank neuem Investor wird der e.GO seit Sommer wieder in Aachen gefertigt - gleichzeitig ordentlich die Werbetrommel gerührt. 
© Foto: Next EGo Mobile

Aus dem ehemaligen Startup ist ein Pkw-Hersteller geworden: Nachhaltigkeit und Langlebigkeit stehen dabei im Vordergrund - auch ein Batterietausch ist kein Hexenwerk und soll in unter einer Stunde möglich sein. Neue Modelle sind in der Planung, auch weitere Produktionsorte sollen in den kommenden Jahren entstehen.


Datum:
10.11.2021
Autor:
Gerfried Vogt-Möbs
Lesezeit: 
10 min

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Wie organisiert man aktuell und modern Vertrieb und Verkauf eines noch relativ unbekannten Elektromobils? Nicht nur per web, am sinnvollsten auch mit Probefahrten und auf Messen und Ausstellungen. Weshalb die neuen Köpfe der Next E.Go Mobile und deren Strategen nach der IAA in München zur Presseprobefahrt luden, aber auch in Deutschlands begehrtesten Städten – etwa in Düsseldorf auf der Kö, in Hamburg am Jungfernstieg - Brand Stores eröffnet haben, um potentiellen Käufern die Fahrzeuge auf der Straße präsentieren zu können.

Die Philosophie hinter dem 3,35 m kurzen Stadtauto ist Nachhaltigkeit, baut auf Langlebigkeit, günstige Produktion und geringen Entwicklungsaufwand. Der hielt sich in Grenzen, denn Tiefziehverfahren und aufwendige Lackierstraßen sucht man auf dem Produktionsgelände des niedlichen Flitzers vergeblich. Der Gründer Prof. Günther Schuh ist inzwischen raus, die Insolvenz bereits Geschichte, die Pläne des niederländischen Investors groß und vor allem international. In Planung ist ein 1:1-Zwilling der Aachener Produktionsstätte im Bulgarien, außerdem ein erstes Werk in Mexiko. Auch weitere Brand Stores soll es geben – nach Deutschland sind Mailand und Athen im Fokus, sogar Dubai im Gespräch.

Neue Vorstellungsrunde – nicht nur in Deutschland

Die PR-Kampagne hat den Titel „the time is now“, soll die Notwendigkeit neuer aktueller Moibilitätsziele vermitteln und diese vor allem auch beschleunigen - Erschwinglichkeit, Benutzerfreundlichkeit sind gerade im städtischen Umfeld ein möglicher Schlüssel um Elektromobiltät zu pushen und zu verbreiten. Logisch, dass auf den Flachdächern der Produktionshallen flächendeckend Photovoltaik eingesetzt wird um auch den Strom zu Herstellung des Kleinwagens stets ökologisch und kostengünstig zu halten. Seit der e.GO Life im Sommer in Produktion ging, ist einiges passiert: Neue Modelle wurden entwickelt, für die 21,4 kW-Batterien soll ab 2022 optional eine schnellere Ladungsmöglichkeit umgesetzt werden, um per Typ 2-Stecker mit 11 kW Ladeleistung an der "Zapfsäule“ anzudocken. Interessant für den Winterbetrieb des Stadtflitzers: Die heizbare Frontscheibe soll bald per App steuer- bzw. aktivierbar sein, um Laternenparken möglich zu machen.

Was beim Fahren auffiel

Die Testrunde im Münchener Norden vermittelte einen interessanten Eindruck: Die Instrumetierung des e.GO Life, dessen Produktion 1000 Fahrzeuge umfassen soll und von denen beim Fahrtermin Ende September wohl bereits mehrere 100 bestellt sind, sieht auf den ersten Blick "basic" aus ist aber beachtlich komplett: Die Kulleraugen leuchten per LED, neben der Klimaanlage gibt es ein Infotainmentsystem mit Apple CarPlay, Android Auto und Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Funktionell ist auch der Parkassistent vorne und hinten, die Sitze mit integrierten Kopfstützen sind wie die Frontscheibe beheizbar. Daneben gibt es eine Anfahrhilfe an Steigungen, zur Aktivierung von Scheibenwischer und Lichtanlage wurden Sensoren installiert. Der BMZ-Elekktromotor startet per „Zündschlüssel“, drei Fahrmodi stehen zu Verfügung, nachdem die konventionelle Handbremse gelöst ist: Sport, Normal und Eco. Manches funktioniert etwas eigentümlich: Zum Starten und losfahren sind gleich zwei Schlüsselstellungen nötig, der Rückwärtsgang sitzt gesichert hinter N am Wahlhebel. Im Display aber auch direkt am Hebel werden Fahr- und Bewegungssmodi angezeigt. Im Sportmodus erreicht der 57 kW-Motor sein Stadttempo nach 4,3 Sekunden, Topspeed ist 122 km/h.

Ganz spezielle Vorteile

Das Platzangebot für den Fahrer ist ausreichend, Hinterbänkler über 1,80 m sollten aber keine Luft über sich erwarten. 640 Liter Zuladung gibt der Hersteller an, wenn beide Rücksitze umgeklappt sind – was leider auch bedeutet, dass bei Vollbesetzung gerade mal das Ladekabel hinter die Heckklappe passt. Die öffnet sich formschlüssig per Remote-Schlüsselsteuerung um die ausgesparten, kreisrunden Heckleuchten herum, eine Verriegelung desr Ladeanschlussklappe wurde nicht vorgesehen. Rost ist beim e.GO sicher kein Problem – der eigens  konstruierte Spaceframe aus Leichtmetall ist langlebig. Haube, Heck, Türen und Restkarroserie sind ganz aus Polymer gefertigt und damit unempfindlich, kratzfest und leicht, der Kunststoff durchgefärbt und somit matt. Einzigartig im Elektro-Pkwbau ist der konstruktiv einfache Batteriewechsel, falls die aktuelle Reichweite von 100 bis 125 Kilometer in die sprichwörtlichen (dann zweistelligen) Knie geht: In deutlich unter einer Stunde, so erklärt Matthias Kreimeier, der seit 2015 im Vertrieb des Unternehmens tätig ist, ist der rund 200 kg schwere Akku getauscht. Der alte bekommt dann ein zweites Leben als Speicher für Solarstromanlagen, kamm damit die Öko-Bilanz des e.GO noch zusätzlich verbessern. Die aktuell gefertigte Edition Next, baugleich mit dem Life, kostet nach Abzug der Umweltprämie von 9750 Euro noch 16.810 Euro – kein Pappenstiel zwar, aber eine (langfristige) Investivons-Überlegung wert. An einer günstigen Finanzierungs- bzw- Leasinglösung wird noch getüftelt, für Service und Wartung ein bodenständige Dienstleister, die Bosch-Dienste, gewonnen.

Technische Daten e.GO Life Special Edition Next

Motor

Elektromotor; 29 kW Dauer-/57 kW Spitzenleistung

Batteriekapazität

21,5 kWh

Reichweite nach WLTP

125 km

Fahrleistungen

0 auf 50 km/h: 4,3 , Verbrauch 122 km/h

Verbrauch nach WLTP

15,5 kWh/100 km

Ladezeit

Schuko-Stecker: 9,6 h; Typ 2-Stecker (einphasig) 5,7 h

Maße

Länge: 3,35 / Breite: 1,75 / Höhe: 1,59 m / Radstand: 2,20 m / Wendekreis 9,9 m

Leergewicht / Zuladung

1231 kg / 259 kg

Preis

26.560 Euro (Grundpreis)

 

 

 



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