Fazit


Datum:
12.11.2020
Autor:
Michael Blumenstein / FF
Lesezeit: 
10 min

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Sehr gutes, recht emotionsloses Automobil

Der Skoda Scala ist ein ziemlich perfektes Auto, wenn man einen geräumigen, praktischen, dennoch kompakten und ansehnlichen Viertürer sucht, in dem durchaus auch die Reise zu viert und mit Gepäck absolviert werden soll. Er bietet mehr Platz als ein Golf, zu Polo-Preisen. In der empfehlenswerten Ausstattungslinie Drive 125 werden 19.739 Euro fällig – 1.051 Euro mehr als der TSI mit 95 PS. Ein Mehrpreis, der innerhalb kurzer Zeit über die Kraftstoffkosten wieder reingefahren ist und sich zudem in einem guten Gefühl widerspiegelt, die Umwelt nicht ganz so viel belastet zu haben.

Das sinnvolle Licht&Sicht-Paket mit LED-Scheinwerfern, Parksensoren vorne und der verlängerten Heckscheibe sowie das Business-Paket mit Navi, Induktivladefunktion sowie kabelloser Smartphone-Kopplung kommen noch hinzu, erhöhen den Preis jedoch auch lediglich um rund 2.000 Euro. Verzichten kann man auf Spielereien wie das Glasdach, das sich nicht öffnen lässt, den Abstands-Tempomat ACC, der hin und wieder Ausfallerscheinungen hatte und rechts fahrende LKW auf ein und derselben Spur vermutet und daher das Tempo drosselt sowie die bereits erwähnte Heckklappenöffnung auf Knopfdruck. Gut gelöst ist die Deaktivierung der Assistenzsysteme: ein Klick mit dem rechten Daumen ruft das Menü im Kombiinstrument auf, mittels Scrollrad hangelt man sich an den Funktionen hinunter und deaktiviert sie – beispielsweise in Baustellen.

Gefehlt hat uns hingegen eine Verkehrsschilderkennung. Ebenso wenig nachvollziehbar, wieso kabelloses Apple Carplay möglich ist, eine Induktivladeschale aber keine Zwangskombination. Geladen wird also – sollte man das Häkchen vergessen – am Kabel, dann gelingt die Smartphone-Spiegelung aber so oder so. Als Handykopplung gibt es ausschließlich USB-C-Steckplätze, vier auf Wunsch. Adapter sind also in vielen Fällen noch nötig. Nicht wirklich schön sind die Microfaser-Sportsitze, die im Testwagen mit der Ausstattungslinie Style installiert wurden. Sie sind aber körperumschließend und für viele Insassen bequem und langstreckentauglich, wenngleich die Sitzposition recht hoch ist, was an der elektrischen Verstellung und dem vorhandenen E-Motor unterm Sitz liegen kann. Die elektrische Verstellung kann man sich auch sparen, besitzt sie nämlich keine Speicherfunktion für verschiedenen Nutzer. Dennoch gehört die Sitzposition hinter dem Lenkrad zur besten, nicht nur in diesem Segment. Die Einstellmöglichkeiten sind vielfältig. Generell ist das Platzangebot Skoda-typisch. Also riesig. Lediglich im Kofferraum gilt es Abstriche zu machen. Die Kevlar-Gastanks zollen Tribut und kosten rund 120 Liter Volumen – in Normalstellung. 340 Liter sind Kleinwagentypisch, und somit deutlich weniger als in Golf, Leon und Octavia.

Kein TDI mehr – G-Tec heißt sauber sparen

Defizite im Vergleich zur Kompaktklasse fallen auch bei der Materialauswahl auf, wenngleich sich wohl kaum jemand wirklich beschweren wird. Anders eventuell beim Fahrwerk. Klar, dass eine Adaptivlösung in dieser Klasse eher zu viel des Guten bedeutet. Aber ein gutes Fahrwerk muss, sollte und braucht nicht adaptiv sein. Selbst wenn die Räder immer größer und die Gummis der Reifen damit dünner werden, kann der Spagat aus Komfort, Dynamik und Optik gelingen. Beim Scala G-Tec ist er fast gelungen. 

Zurück zum Unterbau des Gas-Skodas: Bei niedrigen Geschwindigkeiten und Unebenheiten poltert und hoppelt dieser und die Vorderachse stuckert bei Querfugen. Auf schnellen Autobahnetappen schwingt die Fuhre deutlich nach und lässt aus Piloten Seemänner werden. Jedoch ist das Jammern auf hohem Niveau, wenn man bedenkt, dass man in einem sehr großen Kleinwagen sitzt und die kleineren Alternativen es nicht besser machen und der Scala keineswegs schlecht. Der Unterschied zur guten Kompaktklasse wird hier jedoch spürbar. Auch aus diesem Grund empfehlen wir 16-Zoll-Räder. Mehr Gummi, mehr Komfort, geringere Ersatzkosten, weniger Gefahr, Bordsteine zu schleifen.

Trennungsschmerzen

So haben wir uns nach dem halben Jahr traurig vom Skoda Scala G-Tec verabschieden müssen: Durchschnittsverbrauch auf 18.731 Kilometern 4,6 Kilogramm CNG, meist Biomethan. 14 Liter Superbenzin mussten in Anspruch genommen werden. 865,34 Kilogramm des gasförmigen Kraftstoffs wurden in die beiden kevlarverstärkten Tanks gepresst, 1,037 Euro kostete jedes Kilogramm im Schnitt, also 4,77 Euro Kraftstoffkosten pro 100 Kilometer. Die Versicherungseinstufung ist so ziemlich die günstigste die es gibt (entspricht der des TSI). Die Inspektionsintervalle entsprechen denen von Benzinern, Mehrkosten gibt es keine.

Günstiger kann man schneller nicht von A nach B kommen, sauberer derzeit auch nicht. Diese Punkte sollten stets im Hinterkopf behalten werden, wenn die nächsten Firmenwagen geordert werden. Denn Eigenmarketing gelingt nicht nur mit Elektromobilität. Klar, eine App zum Finden der Tankstellen ist hilfreich und wer beispielsweise oft nach Frankreich muss, ist raus. Die Schweiz, Österreich und Italien können jedoch problemlos befahren werden. Und mal ehrlich: meistens bewegt man sich in Deutschland. Mittlerweile mehr denn je als zuvor. Leider.

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