Der Dauertest


Datum:
12.11.2020
Autor:
Michael Blumenstein / FF
Lesezeit: 
10 min

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Kleiner Motor, großer „Sympath“

Ein halbes Jahr waren wir mit dem Skoda Scala G-Tec unterwegs. G-Tec ist die Skoda-Bezeichnung für CNG/Erdgas, TGI heißt es sonst im Konzern und auch bei Skoda versteht man dieses Kunst-Kürzel ohne tieferen Sinn. Unser Moon-Weiß-Perleffekt lackierter Scala Style holt aus 3 x 333 Kubikzentimetern sympathische 3 x 30 PS, also aus einem Liter Hubraum und drei Zylindern 90 Pferdestärken. Das liest sich jetzt erst einmal schwachbrüstig. Immerhin ist der Scala mit 4,36 Metern der größte Hatchback-Kleinwagen. Skoda versucht zwar stets, den Scala ins Kompaktsegment zu hieven, der Blick zur Technik verrät aber die enge Verwandtschaft zu Seat Ibiza und VW Polo. Skoda würzt den Scala mit extrem viel Platz und Gimmicks, die man oft selbst in höheren Klassen vergeblich sucht. Der elektrische Heckklappen-Lifter ist ein Beispiel – zugegebenermaßen ein überflüssiges, denn eine Fußgesten-Öffnung ist nicht möglich.

Doch bleiben wir beim Antrieb. Der Dreizylinder gefällt mit einem kernig-dumpfen Motortrommeln, wenn man den Zwerg ausdreht. Das geschieht tatsächlich häufig. Denn einerseits benötigt der Alumotor Drehzahl – in der Stadt nervt eine latente Anfahrschwäche – und andererseits begeistert er mit seiner Dynamik und dem spontanen Ansprechverhalten, die man einem 90-PS-Motörchen nicht zutraut. Angegeben ist der Scala G-Tec mit 185 km/h – gemessen haben wir mit GPS 202 Sachen. Das Methan wird offensichtlich gut verwertet, auch dank der Oktanzahl von 130, die für eine Extraportion Kraft sorgt. So sind die meisten Fahrerinnen und Mitfahrer überrascht, wenn sie von “nur“ 90 PS hören. Serienmäßig ist ein Sechsgang-Schaltgetriebe an Bord, also ein Gang mehr als beim fünf PS stärkeren TSI und die einzige Möglichkeit, den G-Tec zu bewegen. DSG gibt es nicht. Immerhin lassen sich die Gänge zielgenau sortieren. Lediglich der Rückwärtsgang benötigt eine Gedenksekunde, um kratzfrei eingelegt zu werden.

Einsatzgebiet

Doch die Domäne des Scala G-Tec ist nicht das Großstadtrevier – das können die Kleinen besser. Der Tscheche fühlt sich auf der Langstrecke wohl. Ab Tempo 60 kann der letzte Gang aktiviert werden und muss auch in den Kassler Bergen keinen niedrigeren Stufen weichen. Obwohl lediglich 160 Newtonmeter Drehmoment vorhanden sind, flutscht der Scala stressfrei über die linke Spur. Die Zahlen sprechen also nur die halbe Wahrheit. So schrieb auch Kollege Jan Burgdorf vom Schwestermagazin Verkehrsrundschau: „Insgesamt bin ich positiv überrascht, vor allem vor dem Hintergrund, dass er „nur“ 90 PS hat läuft er wirklich gut. Beim Herausbeschleunigen ist allerdings Drehzahl gefragt.“ Genau da wäre der 1.5 TGI aus Golf, Leon und Octavia wünschenswert. Denn ein Sparwunder ist der kleine Dreizylinder nicht – wenngleich es trotzdem kaum eine Möglichkeit gibt, kostengünstiger zu fahren.

Mit Stroh sind wir oft gefahren. Und somit fast CO2-neutral.
© Foto: Michael Blumenstein/Autoflotte

Sauberer Fuhrpark mit Biomethan

Idealerweise mit Biomethan – dem wirklich grünen Erdgas. Erdgas wird in Leitungen zu den derzeit 836 CNG-Tankstellen in Deutschland transportiert. Ein Riesen-Vorteil, denn damit verringert sich zudem der Lkw-Verkehr auf den Straßen, da der Kraftstoff nicht quer durch die Republik befördert werden muss. Wer nun das Glück hat, auf seinen täglichen Strecken an einer CNG-Tankstelle vorbeizufahren, die 100 Prozent Biomethan feilbietet, gehört zu den wirklichen Umweltschützern unter der autofahrenden Bevölkerung. 444 der 836 CNG-Tankstellen werden mittlerweile mit Biomethan versorgt. Biomethan wird aus verschiedensten Stoffen hergestellt. Stroh ist beispielsweise einer. Aber auch Schlempe sowie Bioabfälle sind Energielieferanten. Damit minimieren Fahrzeuge, die mit Biomethan betrieben werden, ihren Treibhausgas-Ausstoß immens, beim CO2 sinken die Emissionen um bis zu 90 Prozent, immer Vergleich zum Benziner oder Diesel. Praktisch, nicht nur theoretisch.

Der Verbrauch der CNG-Modelle wird stets in Kilogramm pro 100 Kilometer angegeben. 3,6 Kilogramm sollen es beim Scala mit TGI-Motor nach WLTP-Norm sein. Auf unseren fast 19.000 Kilometern, die vornehmlich auf der Autobahn zurückgelegt wurden, erfuhren wir 4,6 Kilogramm. Der lange sechste Gang senkt zwar die Drehzahl, jedoch hat der Minimotor dennoch stets zu tun, um den bis zu 1.420 Kilogramm schweren Wagen anzutreiben. Ein wunder Punkt ist daher die Reichweite des Scala TGI. Die zwei kleinen Gastanks fassen lediglich 13,8 Kilogramm. So hielt Kollege Burgdorf folgendes fest: „Bei 130 km/h habe ich immerhin 390 Kilometer im Gasbetrieb geschafft, dann habe ich mich mit 10 km Restreichweite (Gas) an die Tanke gerettet. Insgesamt wäre etwas mehr Gas-Reichweite wünschenswert, erst recht in Richtung Karlsruhe, wo es kaum CNG-Tankstellen gibt. Wie beim E-Auto gilt es sich hier ebenso einen Plan zu machen, wann man wo tankt.“ Ist der Gastank leer, rettet jedoch im Zweifel noch ein Mini-Benzintank. Neun Liter passen rein, die reichen für 100 Kilometer, da der Benzinverbrauch bei einem gasoptimierten Ottomotor höher ausfällt als gewöhnlich. Insgesamt haben wir den Benzin-Nottank keine zwei Mal füllen müssen. Auf 19.000 Kilometern haben wir 14 Liter Super verfahren und 865,34 Kilogramm verblasen. Knapp 70 Prozent unserer Strecken fuhren wir mit Biomethan. Und dennoch ist die Tankstellenthematik definitiv eine. Ohne die passende App, beispielsweise „gibgas CNG-App“ oder „Erdgas Tankstellen“ ist auf fremden Territorium eher mau mit dem zufälligen Finden einer CNG-Tankstellen. Wer jedoch oft dieselben Strecken fährt, kennt seine (idealerweise) Biomethan-Zapfstellen aus dem FF.

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#CNG

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