Aktueller Stand: Alternative Antriebe bei Pkw

Einige Hersteller rüsten ihre Pkw mittlerweile mit Erdgasantrieb aus
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Neben rein batterieelektrischen Lösungen setzen verschiedene Pkw-Hersteller auch auf andere Antriebs-Alternativen. Die Wahl der Erdgas- und Brennstoffzellenmodelle ist beschränkt, die Preisspanne klafft weit auseinander. Das kann sich ändern, sobald Versorgungsnetze und Akzeptanz flächendeckend aus- und aufgebaut sind.


Datum:
09.09.2020
Autor:
Gerfried Vogt-Möbs
Lesezeit: 
6 min

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Trotz aller Unkenrufe und aktueller Förderung der Generation Elektro sucht manch potenzieller Kunde weiter – nach einem Fahrzeug, günstig im Verbrauch sowie technisch ausgereift. Planbarkeit und vor allem Unabhängigkeit in puncto Händlernetz und Tankungen sind gefragt. Wer eine Umrüstung eines Gebrauchtfahrzeugs scheut oder aktuelle Technik, gepaart mit den Annehmlichkeiten der Assistenzsysteme, bevorzugt, kann das Neuwagenangebot der Erdgasausführung checken – von den Werbeetats der Hersteller leider selten berücksichtigt.
Rund 20 Prozent weniger CO2 produziert ein Autogasfahrzeug verglichen mit dem herkömmlichen Benziner. Im Gasbetrieb, so lautet das Ergebnis der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, können Feinstaubemissionen verglichen mit konventionellen Pkw um bis zu 99 Prozent verringert werden. Der Diesel kann sich mit Erdgas-Aggregaten gleich gar nicht messen: Nur ein Fünfzigstel der Selbstzünder-Stickoxide pusten gasbetriebene Fahrzeugvarianten ins Freie. Daher profitiert der alternative Kraftstoff LPG (Flüssiggas) bis 2022 von ermäßigtem Mineralölsteuersatz. Bei CNG gilt dies noch bis 2026.

Italienische Verhältnisse

Erdgas (Compressed Natural Gas, CNG) hat im Urlaubsland Nummer eins eine lange Tradition. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in Norditalien, Erdöl- und Erdgasfelder zu erschließen. Das Netz an CNG- und LPG-Zapfsäulen ist heute gut ausgebaut: An mehr als 1.200 Tankstellen lässt sich Erdgas und Biogas tanken – über eine Million Fahrzeuge sind in Italien mit „Metano“ unterwegs. Aktuell produziert Fiat den 500 sowie den Panda als LPG-Variante – zusätzlich steht der Fiat Panda auch mit CNG-Antrieb bereit. Da flüssiges Autogas noch um rund die Hälfte billiger als Diesel und Benzin ist, hat das Retro-Modell des Fiat-Klassikers sein Benzinerpendant in puncto Wirtschaftlichkeit auch bei jährlich nur 10.000 Kilometern schon nach wenigen Jahren überholt.

Wolfsburg zieht sich raus

Eine Vergleichsstudie, die der ADAC letzten Herbst präsentierte, bescheinigte dem Golf TGI (Erdgasfahrzeug mit 15 Prozent Biomethan) eine beachtliche Treibhausgas-Bilanz. Elektroautos, die mit dem deutschen Strommix geladen werden, schnitten schlechter ab, Plug-in-Hybride erreichten nur das Niveau eines Benziners. Erst mit regenerativer Energieerzeugung, so der ADAC, wären die Stromvarianten und das Brennstoffzellenfahrzeug klimafreundlicher. Nichts, was sich im Markt widerspiegelt – für die VW-Konzernzentrale und ihre Töchter Audi, Seat und Skoda ist der Zug wortwörtlich abgefahren – und Erdgas zur Erreichung der EU-Auflagen eine Sackgasse. Dennoch bleibt 2020 neben dem Klassenkönig Golf auch der Polo als Erdgas-Alternative erhalten. Auch dort erhöht ein dritter Erdgastank die Reichweite im reinen Erdgas-Betrieb auf 368 Kilometer, der Golf schafft laut WLTP sogar 422.

Alternative SUV-Modelle

Aber aktuell finden sich noch weitere Erdgas-Pkw – oft unvermutet: Renault bietet seit April neben Clio und Captur auch bei seiner Zweitmarke Dacia Alternativen – derzeit Sandero, Logan und sogar den Duster als TCE/Autogas-Modelle an. Ein buntes Trio zeigt auch Seat: Ibiza wie Arona wurden mit den Polo-TGI-Antrieben bestückt, den Leon befeuert das 130-PS-Aggregat aus dem Golf. Abgespeckt wurde bereits bei Skoda: Der Octavia, Modelljahrgang 2021, bleibt als „grünes Modell“ nicht mehr im Skoda-Portofolio. CNG tanken können Scala und der SUV-Neuling Kamiq.

Gas für innovative Stromer

In der Kategorie „Brennstoffzelle“ dümpelt das Angebot derzeit noch bei einem Duo. Beim sportlichen Toyota Mirai warten Interessierte auf die zum Jahresende angekündigte zweite Generation. Der Nexo aus dem Hause Hyundai konnte jüngst ein erstes Jubiläum feiern: Das 10.000ste Exemplar rollte in Korea vom Band. Das Wasserstofftankstellennetz, es wird wachsen. Aber vermutlich nur im Schneckentempo: Gerade mal 87 H2-Tankstellen sind derzeit in Deutschland einsatzfähig. Bei CNG sind es zurzeit rund 850. 

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