Pioniere aus Deutschland – Mewa erhält ersten Wasserstoff-Lkw

Der Wasserstoff-Lkw von Mewa an einer Tankstelle in der Nähe von Luzern
© Foto: Mewa

Viele kannten die Firma Mewa bislang nur von Arbeitskitteln. Jetzt ist das Wiesbadener Unternehmen auch für seinen Wasserstoff-Lkw, einen Hyundai Xcient Fuel Cell mit Brennstoffzelle, bekannt.


Datum:
31.05.2021
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
6 min

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Der Sprung hin zur Wasserstofftechnik ist kein leichter. Denn zunächst gilt es überhaupt ein Fahrzeug zu finden; alleine das ist in Europa schon eine Kunst. Und dann braucht man als Unternehmen eine gute Packung Mut. Denn man vertraut seine Ware – und damit seinen Umsatz – einer Technik an, die völlig neu und, bis auf wenige Ausnahmen unerprobt, ist. Die Firma Mewa aus Wiesbaden hat beides: Das Glück, einen freien Lkw zu finden und den Mut, den Schritt zu wagen. Sie ist nun das erste Unternehmen Deutschlands, das einen Wasserstoff-Lkw mit Brennstoffzelle eines großen Herstellers im Fuhrpark hat.

Pilotprojekt in der Schweiz

Allerdings muss diese Aussage auch gleich klargestellt werden, denn der Lkw wird nicht in Deutschland zu sehen sein. Er gehört, wie 38 andere Fahrzeuge auch, zum Pilotprojekt von Hyundai in der Schweiz. Hier, genauer gesagt in Wynau, hat Mewa eine Zweigstelle und damit die Möglichkeit, das Brennstoffzellen-Modell „Xcient Fuel Cell“ in seinen Fuhrpark aufzunehmen. Eine Möglichkeit, auf die Kay Simon, der Leiter Mobilitätskonzepte bei dem Textilunternehmen, nur gewartet hat: „Die tägliche Belieferung unserer Kunden führt aktuell unvermeidlich zu einer CO2-Emission", sagt er. "Diese möchten wir nachhaltig senken. Dabei setzen wir nicht auf CO2-reduzierte Brückentechnologien, sondern auf CO2-freie Zukunftstechnologien wie Wasserstoff.“ 

Kay Simon, der Leiter Mobilitätskonzepte bei Mewa
© Foto: Mewa

Deutsche Problematik

Nun stellt sich logischerweise die Frage, weshalb Mewa diese Technologie nicht einfach in der Heimat Deutschland austestet? „Weil es schlicht keine Möglichkeit dafür gibt“, sagt Simon. „Es mangelt alleine schon an der Infrastruktur“. Das stimmt allerdings. Dem Portal „H2 Mobility“ zufolge, gibt es in Deutschland aktuell sieben Wasserstoff-Tankstellen, die technisch dazu in der Lage wären, einen Lkw zu befüllen. Für den Einsatz auf verschiedenen Routen ist das keine Option; ebensowenig der Aufbau einer eigenen Tankstelle, der dem Vernehmen nach etwa eine Million Euro verschlingen soll.

Selbst wenn die Tankfrage geklärt wäre, gäbe es noch ein weiteres Problem: Mewa sucht, wie viele andere deutsche Unternehmen auch, nach einer echt grünen Lösung. Der Wasserstoff, der in Deutschland verfügbar ist, stammt zu größten Teilen nicht aus erneuerbaren Energien und ist damit nicht umweltfreundlich. Die Schweiz hat mit ihrer Vielzahl an Wasserkraftwerken andere Möglichkeiten. Trotzdem, so sehen es beispielsweise die Wirtschaftsweise Prof. Veronika Grimm oder die OEMs Daimler und Volvo, sollte in Deutschland frühzeitig mit dem Aufbau von H2-Flotten und –Tankstellen begonnen werden. Also ein Start mit grauem oder blauen Wasserstoff, der später durch grünen ersetzt wird.

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