Mini-Fahrbericht: An Bord des Nikola Tre

Auf dem "Oval" drehten wir mit dem Nikola Tre eine Runde
© Foto: netzwerk A / Fabian Faehrmann

Starke 645 PS schlummern unter der Haube des E-Lkw Nikola Tre. Wir durften die Kraft am eigenen Leibe spüren.


Datum:
27.09.2021
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
4 min

1 Kommentare

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Auch wenn der Lkw-Hersteller Nikola sein Werk in Ulm schon eröffnet hat - es wird noch dauern, bis das Modell 'Tre' des US-amerikanischen Start-Ups, das mit Iveco kooperiert, auf der Straße unterwegs sind. Die ersten Exemplare gehen allesamt in die USA. Eines der Modelle stand uns nun für eine Runde auf der Iveco-Teststrecke in Ulm zur Verfügung. 

Zunächst ein Blick auf die technischen Daten: Die angesprochenen 645 PS werden von neun Batteriepacks an Bord bereitgestellt. In Europa wird es erst einmal nur eine 4x2-Version geben; für die USA ist die 6x2-Variante vorgesehen. Der Unterschied macht sich auch in der Leistung bemerkbar, denn die "Amerika-Version" wird bei 120 km/h abgeriegelt, während der Europa-Tre bei 90 km/h keine Beschleunigung mehr zulässt.

Schon jetzt ein Markenzeichen: der Blinker des Nikola Tre BEV
© Foto: netzwerk A / Fabian Faehrmann

Nun ging es also auf die Ulmer Teststrecke. Der Nikola wurde für diesen Zweck mit einem 20-Fuß Container heckbündig beladen. Das gesamte Gespann kam so auf 36 Tonnen Gesamtgewicht, wobei die nackte Zugmaschine rund 12 Tonnen auf die Waage bringt. Also ab in die Kabine und man sieht: viele Bildschirme. Das Cockpit des Tre wirkt aufgeräumt, was wohl daran liegt, dass es kaum Knöpfe, dafür aber umso mehr Displays gibt. Ansonsten wirkt der Nikola wie ein moderner Truck. Über uns erhebt sich der Dachhimmel und man hat nicht das Gefühl von der Decke erdrückt zu werden.

Besonders imposant ist der Bildschirm in der Mitte der Konsole
© Foto: netzwerk A / Fabian Faehrmann

Dafür drückt unser Fahrer - und zwar auf's Gas. Trotz nahezu voller Beladung krallt sich der Nikola in den Boden und schiebt in einem ordentlichen Tempo voran. Das "Surren", welches einige Elektro-Lkw verlauten lassen, fällt hier weniger auf. In Windeseile haben wir die Höchstgeschwindigkeit erreicht und der Tre segelt durch das Oval. Segeln - das ist tatsächlich ein Fahrmodus des Nikola, in welchem der Widerstand minimiert ist und der Lkw mit seinem Schwung ausrollen kann. Anstelle des Intarders ist auch beim Nikola Tre eine Rekuperation verbaut, die die Bremsenergie zurückgewinnt. Außerdem bietet der Lkw die Möglichkeit des One-Pedal-Drivings, bei dem die Zugmaschine bei Bedarf von alleine bis zum Stillstand abbremst. 

An Bremsen ist bei uns aber nicht zu denken. Der Nikola fliegt trotz des amtlichen Tempos sehr ruhig durch die Steilkurve. Unterhaltung in Zimmerlautstärke - kein Problem. An der Beschleunigung dürfte sich aber noch etwas verändern, denn wir waren mit dem Nikola Tre für den amerikanischen Markt unterwegs - und dieser hat eine leicht andere Übersetzung als die Europa-Version.

So schnell die Runde begann, so schnell war sie auch wieder vorbei. Schade. Aber, wenn dann 2022 die ersten Exemplare des Nikola Tre für Deutschland ausrollen, gönnen wir uns einen noch ausführlicheren Test.

Technische Daten Nikola Tre

Leistung 645 PS
Batterie 753 kWh (9 Packs)
Getriebe 1-Gang
Höchstgeschwindigkeit 90 km/h (Europa), 120 km/h (USA)
Reichweite 560 km (laut Hersteller)
Ladeleistung Max. 240 kW (DC)
Ladedauer 120 min (10-80%, 240 kW)

HASHTAG


#E-Lkw

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KOMMENTARE


Robert Waldeck

29.09.2021 - 10:08 Uhr

Und wie oft muss der Truck an die Steckdose wenn er 40 Tonnen wiegt und die Klimaanlage bei 30 Grad im Schatten auf Volllast läuft?


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