Hybride statt Elektro

Die drei neuen MAN-Hybrid-Müllwagen der Stadt Thun
© Foto: Rolf Eicher, Stadt Thun

Seit 2018 testet die Stadt Thun in der Schweiz ein vollelektrisches Müllauto. Jetzt schafft sich die Verwaltung drei neue Modelle, allerdings mit Hybridtechnologie, an. Das heißt: Der Aufbau ist elektrisch betrieben, der Motor arbeitet aber „klassisch“ mit Diesel. Eine Entscheidung, die von langsam mahlenden politischen Mühlen und Finanzfragen abhängig war. Ein Interview mit dem Fuhrparkleiter der Stadt, Toni Zimmermann.


Datum:
03.09.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
4 min

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Netzwerk A: Die Stadt Thun in der Schweiz hat sich drei Müllwagen mit Hybridantrieb angeschafft. Das bedeutet, dass der Aufbau zwar elek­trisch angetrieben wird – der Motor allerdings läuft mit Diesel. Und das, obwohl Sie seit zwei Jahren auch ein vollelektrisches Modell in der Flotte haben. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Toni Zimmermann: "Diese Entscheidung hat mehrere Gründe. Wir haben das elektrische Modell im März 2018 erhalten, im Juni 2018 stand aber bereits die Entscheidung über den Kauf von drei neuen Fahrzeugen an. Das dauert seine Zeit. Wir haben im Frühjahr 2019 das endgültige Okay bekommen, jetzt wurden die Modelle geliefert. Als wir uns entscheiden mussten, hatten wir noch zu wenige Erfahrungen mit dem elektrischen Fahrzeug. Der erste Eindruck war sehr gut, das Risiko war mir damals aber trotzdem zu groß. Außerdem wäre das Fahrzeug auch doppelt so teuer gewesen. Das konnte sich die Stadt Thun finanziell nicht leisten."

 
Würden Sie das heute als Fehlentscheidung bewerten?

"Nein, ich denke, wir haben eine gute Entscheidung getroffen. Die Politik war damals auch noch nicht so weit. Da mussten wir alle überzeugen, weshalb wir ein Elektrofahrzeug anschaffen wollen. Heute ist es eher umgekehrt – da müssten wir uns rechtfertigen, wenn wir keines anschaffen. Wenn wir heute drei neue Fahrzeuge kaufen würden, dann würde die Entscheidung wahrscheinlich anders ausfallen."


Also sind Sie überzeugt von der Elektrotechnologie?

"Das ist so. Wir haben nun die modernste Flotte in der Schweiz. Die Technologie schreitet auch immer weiter voran. Nehmen wir das E-Modell, das wir 2018 als Prototypen bekommen haben. Das Serienmodell hat heute die doppelte Batteriekapazität bei annähernd gleicher Größe. Wir sind überzeugt, dass die Entwicklung noch besser sein wird. Wir werden umstellen. In acht Jahren steht die Beschaffung der neuen Flotte an. Ich bin überzeugt, dass wir dann elektrisch unterwegs sein werden."

 
Befassen Sie sich auch mit anderen Technologien, wie zum Beispiel der Brennstoffzelle?

"Ich sage mal so – ich habe mich stark mit dem Thema auseinandergesetzt, mit dem Verbrauch etc. Die Technologie wird sicher kommen. Was man so von den Fachleuten hört, wird das aber wohl noch um die zehn Jahre dauern. Die Frage nach dem Tankstellennetz ist auch noch nicht ganz gelöst. Außerdem wird die Brennstoffzelle wohl eher im Fernverkehr zum Einsatz kommen. Wir sind mit unseren Fahrzeugen eigentlich nur auf Kurzstrecken unterwegs. Unser Elektro-Müllsammelaufbau hat eine Kapazität von 54 Kilowattstunden. Damit kommen wir locker über einen Arbeitstag. Das ist möglich.
Also ich denke, in ferner Zukunft wird es beide Technologien parallel zueinander geben. Für uns ist die Batterie auf lange Sicht aber wahrscheinlich die wirtschaftlichere Lösung.“

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#E-Modelle

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