E-Mobilität in der Praxis: Spedition Schwarz

Der neue eTGM von MAN bei der Spedition Schwarz
© Foto: netzwerk A / Fabian Faehrmann

Das Logistikunternehmen aus Herbrechtingen (Baden-Württemberg) hat ab sofort einen MAN eTGM im Fuhrpark. Der Elektro-Lkw soll seine Fähigkeiten im Arbeitsalltag unter Beweis stellen


Datum:
27.10.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
7 min

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In Herbrechtingen geht es sehr beschaulich zu. Aber nur auf den ersten Blick. Denn wer hinter die Tore der Spedition Schwarz blickt, sieht einen der modernsten Lkw, den die Welt gerade zu bieten hat. Seit etwa zwei Wochen ist hier ein vollelektrischer MAN eTGM im Einsatz. Das Fahrzeug wurde jetzt bei einer offiziellen Veranstaltung übergeben. Zeit für uns nachzufragen, wie der Lkw in den Logistikalltag integriert werden soll.

Wie der Geschäftsführer Thomas Schwarz erläutert, wird der Laster auf der Produktionsversorgungslinie der Firma Zeiss eingesetzt. Drei bis vier Mal täglich soll die knapp 22 Kilometer lange „Reise“ nach Oberkochen angetreten werden – hier befindet sich das Werk des Feinmechanikunternehmens. Das ergibt eine Gesamtleistung von bis zu 176 Kilometern pro Tag. Gemessen an der Reichweite (bis zu 190 km) wird das theoretisch knapp. Praktisch wird der eTGM aber an der Laderampe in Herbrechtingen immer wieder an den Strom angesteckt, während er be- oder entladen wird. So dürfte die Strecke kein Problem darstellen. Der Strom stammt übrigens aus Solarpanelen auf dem Dach des Logistikzentrums.

Kein Risiko

War die Inbetriebnahme ein Risiko für Schwarz? „Nein“, sagt der Chef. Das Fahrzeug ist mit einer Wechselbrücke ausgestattet, die auch auf andere Lkw passt. Dementsprechend flexibel ist man auch, wenn der eTGM wirklich mal Probleme machen sollte. „Allzu beunruhigt oder besorgt sind wir nicht“, so Thomas Schwarz. „Das was wir bis jetzt gesehen haben, scheint gut zu funktionieren.“ Mit dem Backup im Rücken fühlt es sich für einen Unternehmer natürlich auch sicherer an.

Allerdings ist die Inbetriebnahme eines E-Lkw bei Weitem keine schnelle Nummer. Im Vorfeld gibt es etliche Analysen und Überlegungen. Dabei unterstützt in diesem Fall der Hersteller MAN. Die Beratung hinsichtlich Flottenintegration oder Ladeinfrastruktur gehört mittlerweile zum Portfolio der Autobauer. Michael Voll leitet den Bereich Netzwerkanalyse bei MAN. Er sagt: „Die Integration eines E-Lkw in die Flotte ist eine sehr individuelle Sache. Aber grundsätzlich findet man heute viele Möglichkeiten elektrisch angetriebene Fahrzeuge in solch ein Netzwerk einzubinden. Viele der Touren im urbanen Bereich, die von unseren Kunden gefahren werden, können mit den heutigen Batteriereichweiten der Fahrzeuge schon sehr gut abgebildet werden. Oft kommt der Kunden aber auch direkt mit einer konkreten Fragestellung auf uns zu und fragt, ob speziell diese Tour mit einen E-Lkw umsetzbar ist.“

Für den Hersteller ist die Elektromobilität eine komplett neue Herausforderung, da man nicht mehr nur den Lkw stellen muss. Voll erklärt: "Also letztendlich war früher ein neues Fahrzeug einfach ‚nur‘ Plug-and-Play. Der Kunde hat das Fahrzeug in sein Netzwerk eingebunden, den Motor gestartet und los ging’s. Bei der Elektromobilität gehört da mehr dazu. Wir müssen hier ein komplett neues System betrachten. Hier ist neben dem Fahrzeug auch die Infrastruktur und die ganze Energieversorgung wichtig." MAN hat deshalb einen neuen Bereich namens Transport Solutions Consulting ins Leben gerufen, in dem die Kunden bei Fragen zur Integration der Fahrzeuge in den Logistikalltag oder der Ladeinfrastruktur beraten werden.

Ist E die Zukunft?

Bei der Spedition Schwarz wird jetzt eine von vielen Touren mit einem E-Lkw gefahren. Böse Zungen nennen das einen "Tropfen auf den heißen Stein". Allerdings hat der Versuch, wenn man ihn so nennen mag, mehr als nur symbolische Wirkung. Denn schon jetzt sagt Thomas Schwarz, dass er sich vorstellen kann, langfristig auf E-Fahrzeuge umzusatteln. Dafür müsse allerdings noch einiges passieren. „Stand heute ist das für unsere anderen 250 Lkw noch keine Lösung. Dafür sind die Kosten einfach noch zu hoch. Aber langfristig kann ich mir schon vorstellen, dass E-Lkw auf Strecken von 300, 400, vielleicht sogar 500 Kilometer, also im erweiterten Verteilerverkehr eingesetzt werden.“ Noch ist das angesichts der Anschaffungskosten (ca. vier Mal so hoch wie ein vergleichbarer Diesel) noch Utopie. Aber: Sollte der Test mit dem eTGM auf der Zeiss-Linie erfolgreich sein, will man für diese Strecke vielleicht sogar noch einen zweiten Elektro-Laster anschaffen. 


Präsentation MAN eTGM bei der Spedition Schwarz

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