E-Lkw mit Wechselakku geht auf Testfahrt

Mit einem Gabelstapler werden die Batterien des Lkw gewechselt
© Foto: Route Charge

Die CO2-freie Fortbewegung ist mittlerweile ein großes Thema im Lkw-Sektor. Das Projekt „Route Charge“ versucht sich dem Sachverhalt mit einer wechselbaren Batterie zu nähern.


Datum:
06.11.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
6 min

NOCH KEINE Kommentare

jetzt mitdiskutieren




Die Idee ist nicht neu - das Projket schon. „Route Charge“ ist ein Konglomerat aus vielen verschiedenen Firmen, das den Verkehr von Morgen gestalten will. „Gestartet sind wir bereits im Jahr 2017“, erklärt Projektleiter Bijan Abdolrahimi. Seinen Ursprung findet Route Charge beim Mode-Logistikunternehmen Meyer & Meyer, außerdem ist das Technologieprogramm „IKT für Elektromobilität“ des Bundesministeriums für Wirtschaft mit an Bord. Gemeinsam suchte man nach innovativen Lösungen, um einen möglichst CO2-neutralen Transport zu ermöglichen. Daraus entstand die Idee, einen Elektro- Lastwagen mit wechselbarer Batterie zu entwickeln.

Framo half bei der Technik

Das ist geglückt. Gemeinsam mit dem Thüringer Umbauer Framo wurde ein standardmäßiger MAN TGS von Diesel- auf Batterieantrieb umgerüstet. Dabei erhielt der 19-Tonner unter anderem auch Aufnahmen für die beiden je zwei Tonnen schweren Wechselbatterien. Die beiden Akkus werden mithilfe eines Gabelstaplers gewechselt, dieser Vorgang dauert 15 Minuten.

Der Lkw mit den Wechselbatterien
© Foto: Route Charge

Dieser Lkw geht in Kürze auf Testlauf entlang der Route Peine–Berlin (rund 250 Kilometer pro Strecke). „Wir befinden uns in der finalen Inbetriebnahme der mobilen Batterie-Wechselstationen, die für die Bewältigung von Tagestouren von bis zu 500 Kilometer notwendig sind“, sagt Abdolrahimi. Insgesamt gibt es drei dieser Stationen entlang der Teststrecke. Hier werden die ausgewechselten Akkus aufgeladen, während der Lkw unterwegs ist.

Entscheidend in der ganzen Rechnung ist die Zeit, die ein Batteriewechsel benötigt. Laut Route Charge ist der MAN innerhalb einer Viertelstunde wieder einsatzbereit. So lange braucht ein Gabelstapler, um die zwei Akkus aus dem Auto auszubauen, sie in die Ladestation zu bringen und die vollen Batterien zu montieren. „Die aktuelle Wechseldauer ist optimal auf unsere logistischen Prozessabläufe abgestimmt“, erklärt Abdolrahimi. Eine gründliche Planung sei dabei die halbe Miete.

Straffer Zeitplan

Wie für ein „Start-up“ üblich, gibt man sich bei Route Charge ambitioniert. Eigentlich wollte man Anfang Oktober bereits mit den Testläufen starten, die Corona-Pandemie hat die Pläne allerdings etwas verzögert, bald soll es aber losgehen. Der Probebetrieb soll dann Ende des Jahres bereits abgeschlossen sein. Die Projektverantwortlichen sprechen von einem echten Härtetest, unter anderem aufgrund der zu erwartenden winterlichen Temperaturen. Sollte der Feldversuch erfolgreich sein, wird der Lkw in den Dauereinsatz auf der Strecke gehen. Abdolrahimi regt sogar schon eine zweite Verbindung an: „Wenn es beispielsweise auf der Route Berlin– Dortmund entlang der A 2 mehrere Wechselstationen gäbe, dann könnten wird das Fahrzeug auch auf dieser Langstrecke einsetzen“, so der Projektchef.

Bijan Abdolrahimi bei der offiziellen Präsentation des Projektes Route Charge 
© Foto: Route Charge

Ist die Idee marktreif?

Schlussendlich steht für Route Charge aber noch eine viel größere Hürde bevor: Man muss die Logistikwelt davon überzeugen, dass wechselbare Akkus eine wirtschaftliche Lösung sind. Abdolrahimi wäre eigenen Angaben zufolge glücklich damit, wenn er mit dem Konzept einen „Quasi-Standard“ etablieren könnte. Sozusagen den Mutterboden, auf dem sich die Idee entfalten kann. Den Projektverantwortlichen ist aber auch klar, dass man nur einen ersten Impuls geben könne. Eine Standardisierung und Industrialisierung des Batteriewechselsystems bedarf der Mitwirkung der Fahrzeugindustrie.

Die Idee muss einschlagen

Doch genau das könnte schlussendlich zu einem großen Problem werden. Denn auch wenn sich manche der Big Player gerne als modernes, junges, hippes Startup sehen, so sind hier doch in der Regel starre und fest etablierte Unternehmen am Start, die vorwiegend nach langfristigen Konzepten arbeiten und kein Interesse an schnellen Feldversuchen haben, die durchaus auch mal scheitern können. Das sieht schlicht der Businessplan nicht vor. Und trotzdem ist das Projekt Route Charge wichtig. Abdolrahimi und sein Team haben nämlich eine Chance: Sie müssen so verdammt gut sein, dass die Großen ins Schwitzen kommen. Fürs Erste sollte aber mal der Feldversuch starten. Dann wird man weitersehen.

HASHTAG


#E-Modelle

MEISTGELESEN


KOMMENTARE


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


netzwerk-A ist das Onlineportal mit Antworten und Praxiswissen zu allen alternativen Antrieben. Das Onlineportal bündelt die alternativen Antriebsformen Elektromobilität, Hybrid oder Plug-in-Hybrid-Antriebe, LPG, CNG, Erdgas, Wasserstoff-Fahrzeuge und Brennstoffzellen-Fahrzeuge. netzwerk-A vergleicht alternative Antriebe und bietet umfassende Marktübersichten zu den nachhaltigen Antrieben der neuen Mobilität. netzwerk-A bietet dem Nutzer regelmäßig Anwenderberichte, Best-Practice-Beispiele, How-to-Anleitungen und Checklisten, um das Fahren und Transportieren mit alternativen Antriebsarten heute, morgen und übermorgen in nachhaltige Mobilitätskonzepte zu integrieren. Wie die Infrastruktur für die neue Mobilität aufgebaut wird und welche Förderungen es für nachhaltige Antriebe gibt, beantwortet die Onlineplattform netzwerk-A von Springer Fachmedien München. netzwerk-A wendet sich an Autohäuser, Speditionen und Logistik-Unternehmen, Fuhrparkmanagement, Transportunternehmen und ÖPNV-Betriebe.