Ist das die Zukunft?


Datum:
06.11.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
6 min

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Entscheidend in der ganzen Rechnung ist die Zeit, die ein Batteriewechsel benötigt. Laut Route Charge ist der MAN innerhalb einer Viertelstunde wieder einsatzbereit. So lange braucht ein Gabelstapler, um die zwei Akkus aus dem Auto auszubauen, sie in die Ladestation zu bringen und die vollen Batterien zu montieren. „Die aktuelle Wechseldauer ist optimal auf unsere logistischen Prozessabläufe abgestimmt“, erklärt Abdolrahimi. Eine gründliche Planung sei dabei die halbe Miete.

Straffer Zeitplan

Wie für ein „Start-up“ üblich, gibt man sich bei Route Charge ambitioniert. Eigentlich wollte man Anfang Oktober bereits mit den Testläufen starten, die Corona-Pandemie hat die Pläne allerdings etwas verzögert, bald soll es aber losgehen. Der Probebetrieb soll dann Ende des Jahres bereits abgeschlossen sein. Die Projektverantwortlichen sprechen von einem echten Härtetest, unter anderem aufgrund der zu erwartenden winterlichen Temperaturen. Sollte der Feldversuch erfolgreich sein, wird der Lkw in den Dauereinsatz auf der Strecke gehen. Abdolrahimi regt sogar schon eine zweite Verbindung an: „Wenn es beispielsweise auf der Route Berlin– Dortmund entlang der A 2 mehrere Wechselstationen gäbe, dann könnten wird das Fahrzeug auch auf dieser Langstrecke einsetzen“, so der Projektchef.

Bijan Abdolrahimi bei der offiziellen Präsentation des Projektes Route Charge 
© Foto: Route Charge

Ist die Idee marktreif?

Schlussendlich steht für Route Charge aber noch eine viel größere Hürde bevor: Man muss die Logistikwelt davon überzeugen, dass wechselbare Akkus eine wirtschaftliche Lösung sind. Abdolrahimi wäre eigenen Angaben zufolge glücklich damit, wenn er mit dem Konzept einen „Quasi-Standard“ etablieren könnte. Sozusagen den Mutterboden, auf dem sich die Idee entfalten kann. Den Projektverantwortlichen ist aber auch klar, dass man nur einen ersten Impuls geben könne. Eine Standardisierung und Industrialisierung des Batteriewechselsystems bedarf der Mitwirkung der Fahrzeugindustrie.

Die Idee muss einschlagen

Doch genau das könnte schlussendlich zu einem großen Problem werden. Denn auch wenn sich manche der Big Player gerne als modernes, junges, hippes Startup sehen, so sind hier doch in der Regel starre und fest etablierte Unternehmen am Start, die vorwiegend nach langfristigen Konzepten arbeiten und kein Interesse an schnellen Feldversuchen haben, die durchaus auch mal scheitern können. Das sieht schlicht der Businessplan nicht vor. Und trotzdem ist das Projekt Route Charge wichtig. Abdolrahimi und sein Team haben nämlich eine Chance: Sie müssen so verdammt gut sein, dass die Großen ins Schwitzen kommen. Fürs Erste sollte aber mal der Feldversuch starten. Dann wird man weitersehen.

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