Daimler: H2-Actros fertig für den Test

Hinter der Verkleidung am Fahrerhaus verbirgt sich die Kühleinheit des Brennstoffzellen-Lkw
© Foto: Gerhard Grünig / netzwerk A

Jetzt dreht der von Daimler Trucks angekündigte Brennstoffzellen-Lkw GenH2 mit Wasserstoffantrieb seine Runden auf dem Testgelände in Wörth. 2023 folgt die Kundenerprobung, 2027 soll der Wasserstoff-Actros in den Verkauf.


Datum:
08.06.2021
Autor:
Gerhard Grünig / Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
5 min

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Wenn so die Zukunft der Lkw-Antriebstechnologie aussieht, dann ist sie eher unspektakulär. Nur auf den zweiten Blick gibt sich der mattschwarze Actros der aktuellen Generation als Prototyp mit Brennstoffzelle und zwei E-Motoren zu erkennen. Einzig die langen Spoiler am Ende der Kabine, ähnlich denen an der Schwerlastzugmaschine, lassen den Betrachter stutzen. Dahinter verbergen sich mächtige Kühler und elektrische Hochleistungslüfter. Denn E-Motoren und Brennstoffzelle verlangen nach einem gut temperierten Wohlfühlbereich. Und schließlich muss die Technik auch zuverlässig funktionieren, wenn es mit gut 40 Tonnen die Kasseler Berge hoch geht oder im Gefälle stark rekuperiert wird.

Bis zu 1000 Kilometer soll der neue GenH2 ohne Nachtankung künftig schaffen. Noch fährt er mit Druck-Wasserstoff unter 350 bar – so wie es auch Hyundai beim Xcient H2 für den Serieneinsatz geplant hat. Für die Serie peilt Daimler allerdings Flüssig-Wasserstoff mit -253 Grad an. Mit rund 80 Kilo davon lassen sich die anvisierten Reichweiten dann realisieren.

Der GenH2 wird etwas länger und auch etwas schwerer

Wegen des „Kühlturms“ hinter der Kabine braucht es einen etwas größeren Radstand. Der Prototyp ist rund 60 bis 70 Zentimeter länger wird – abgedeckt durch die neue Längengesetzgebung der EU. Die Gesamtzuglänge liegt bei 17,3 Meter und ist damit immer noch kürzer als ein Lang-Lkw Typ 1. Beim Gesamtgewicht nutzt der GenH2 ebenfalls die neuen EU-Regeln. Mit den bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben erlaubten 41 Tonnen verspricht Daimler Nutzlasten im Bereich der aktuell bereits möglichen.

Die Leistungsdaten der Brennstoffzellen-Trucks lesen sich eindrucksvoll: Zwei E-Motoren mit je 230 kW Leistung sowie je 1577 Nm maximalem Drehmoment. Kurzzeitig bringen es die Asynchnmotoren sogar auf je 330 kW sowie 2071 Nm. Heißt in aktuellen werten: 661 PS Gesamtleistung sowie 2142 Nm maximales Drehmoment. Mag es Diesel-Trucks geben die mehr Leistung haben, mehr Drehmoment hat aktuell keiner!

Seinen Strom bezieht der GenH2 aus zwei Brennstoffzellen mit je 150 kW, unterstützt durch eine Hochvolt-Batterie mit 70 kWh bzw. 400 kW. Alle drei Stromlieferanten können im Bedarfsfall zusammengeschlossen werden und sorgen so für ausreichend Power, um auch schwerste Topographie problemlos bewältigen zu können. Aktuell arbeitet Daimler unter anderem daran, das Kühlmanagement aus insgesamt vier Kühlkreisläufen zu optimieren sowie das Antriebstrangmanagement zu optimieren – unter anderem durch Nutzung einer vorausschauenden Fahrstrategie über den GPS-Tempomat. So soll gewährleistet sein, dass unter anderem Batterieladung, Brennstoffzelleneinsatz und Rekuperation im Hinblick auf Brems- und Energiemanagement den jeweils optimalen Bedingungen entsprechen.

Das Auto fährt sich normal, nur viel leiser als gewohnt

Die Fahrt im GenH2 gestaltet sich so unspekatakulär wie es sein Äußeres vermuten lässt. Abgesehen von der Antriebstechnik handelt es sich um einen Actros aktueller Generation mit den bekannten Assistenzsystemen. Einzig ein kleines Stellpult auf dem Armaturenbrett, das aber nur im Prototypen zu finden sein wird, zeugt von der Besonderheit. Und der Brennstoffzellen-Truck ist wohltuend leise. Nur das Abrollgeräusch der Reifen begleitet den Fahreindruck. Wie es die Leistungsdaten vermuten lassen, zieht der GenH2 wie der sprichwörtliche Ochse. Gewöhnen muss man sich einzig an eine aktuell doch ausgeprägte Schaltpause im zweistufigen Getriebe. Das will Daimler aber noch deutlich beschleunigen.

Ganz im Gegensatz zu Volkswagens Nutzfahrzeugtöchtern MAN und Scania ist Daimler Trucks überzeugt, dass der batterieelektrische Antrieb nur für den Verteilerverkehr auf kürzeren Strecken wirtschaftlich darstellbar ist und setzt deshalb – in der Kooperation mit Volvo – auf die Entwicklung leistungsfähiger Wasserstoff-Trucks für den schweren Fernverkehr.

HASHTAG


#Brennstoffzelle

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