Herstellung von Bio-LNG in Deutschland

Eine LNG-Tankstelle von Alternoil in Bakum
© Foto: Fabian Faehrmann | netzwerk A

Flüssiges Erdgas gehört zu den bereits heute eingesetzten Kraftstoffen im Fernverkehr. Netzwerk A hat den Tankstellenbetreiber Alternoil in Niedersachsen besucht, der mittlerweile Bio-LNG anbietet.


Datum:
15.07.2021
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
8 min

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Einige Transportunternehmen in Deutschland und Europa setzen mittlerweile auf LNG, also verflüssigtes Erdgas, denn es bietet ähnliche Fahreigenschaften und Reichweiten wie Diesel, stößt aber einigen Studien zufolge etwas weniger CO2 und deutlich weniger Stickoxide aus. Je nach den Rahmenbedingungen kann es aufgrund der aktuell bestehenden Mautbefreiung auch kostengünstiger sein. Um damit allerdings erhebliche Umweltvorteile zu erreichen, müsste das Erdgas zu 100 Prozent aus biologischer Herstellung stammen. Bislang gab es in der Bundesrepublik kaum Angebote dafür. Jetzt greift die Firma Alternoil aus Steinfeld (Niedersachsen) die Thematik auf und bietet seit kurzem Bio-LNG an ihren Tankstellen an. Aktuell wird das Produkt noch von europäischen Partnern geliefert, 2023 soll eine eigene Verflüssigungsanlage in Fulda ans Netz gehen, die das Endprodukt namens Reefuel herstellt.

Zur Klärung der Begriffe: Erdgas ist das fertige Produkt, Methan (CH4) ist der Hauptbestandteil davon. Je nach Reinheit hat Erdgas einen Methananteil von über 90 Prozent. Biomethan wird in das Gasnetz eingespeist und kann als Erdgas verwendet werden.

Dr. Henrik Bramlage, der Leiter Business Development bei Alternoil, erklärt, wie das Grundprodukt zusammengesetzt ist: „Das Biomethan stammt von regionalen Biogasanlagenbetreibern. Als Basis kommen für uns ausschließlich kommunale Abfälle und Gülle infrage. Uns ist wichtig, dass wir keine Produkte wie beispielsweise nachwachsende Rohstoffe verwenden, die nur für die Gasgewinnung angebaut werden.“ Das Biomethan wird nach der Gewinnung in das kommunale Erdgasnetz eingespeist.

Komplizierte Bilanzen

Im nächsten Schritt wird an anderer Stelle Gas aus dem Netz entnommen. Ob das allerdings biologisch ist oder nicht, ist technisch logischerweise nicht nicht nachvollziehbar. Die Bilanzierung erfolgt ähnlich wie auch bei Ökostrom. Nun wird das Erdgas verflüssigt und über die Partnerspedition Paneuropa zu den hauseigenen Tankstellen verteilt. Wer aber denkt, dass dort schließlich 100 Prozent Bio-LNG aus den Leitungen strömt, wird eines Besseren belehrt. Denn das Flüssiggas besteht immer aus drei Produkten: Bio-LNG, synthetisches LNG aus einer für Wasserstoff betriebenen Elektrolyseanlage in Werlte und aus fossilem LNG. Bramlage erklärt den Hintergrund: "Das liegt daran, dass unser Ausgangsprodukt, also das Biomethan, positive CO2-Werte aufweist. Hintergrund ist unter anderem die Verwendung von Gülle, denn dadurch wird diese nicht auf Ackerflächen ausgetragen, wodurch kein Methan freigesetzt und kein Nitrat und Antibiotika in die Böden gelangen kann. Durch die direkte Verarbeitung der Gülle in den Biogasanlagen werden einige Probleme der Landwirtschaft gelöst und sogar ein CO2- freier Kraftstoff hergestellt.“

Das aktuelle Top-Produkt von Alternoil namens Reefuel 30 spart, wie der Name schon sagt, 30 Prozent Kohlenstoffdioxid ein. Je nachdem aus welcher Quelle (Abfall/Gülle das Biomethan) stammt, variiert der Anteil an fossilem Erdgas und kann beispielsweise bei 80 Prozent liegen. Ab 2023 soll es dann Reefuel 100 geben, das in der Verflüssigungsanlage in Fulda produziert werden wird. Dieses hat in der Beispielrechnung einen Anteil von rund 50 Prozent fossilem Erdgas, spart aber dank der positiven Wertung von Gülle 100 Prozent Kohlenstoffdioxid ein. Langfristig will Alternoil das Bio-LNG übrigens auf das gleiche Preisniveau bringen, wie das aktuelle Flüssigerdgas. Das hängt aber nicht zuletzt von der Nachfrage und den künftigen politischen Rahmenbedingungen ab. Theoretisch wäre es laut Bramlage heute schon möglich, LNG anzubieten, das ausschließlich aus biologischer Herstellung stammt. Allerdings wäre dieses deutlich teurer und bislang habe sich kein Kunde gefunden, der dazu bereit wäre, den Aufpreis zu bezahlen. 

Woran erkennt der Kunde aber, ob er jetzt Bio-LNG tankt oder nicht? Dafür hat sich Alternoil eine simple aber effektive Lösung ausgedacht: An den Tankstellen kann der Nutzer per Klick  auswählen, welches LNG er tanken möchte.


Bio-LNG bei Alternoil

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