"Hätte ich damals gewusst, was dahinter steckt..." - : Ein Interview mit Christoph Erni (CEO Juice Technology)

Christoph Erni, der CEO von Juice Technology, präsentierte vergangene Woche die neuen Produkte des Herstellers
© Foto: Juice Technology

Neue Software, neuer Booster, neue Ladeparks: Das Schweizer Unternehmen Juice Technology, das Ladelösungen für Elektromobilität anbietet, hat seine neue Produktpalette vorgestellt. Im Interview mit netzwerk A erklärt der CEO Christoph Erni, was Toiletten in alten Wohnungen mit Ladestationen für Elektroautos zu tun haben und wie eine simple Coladose zur Inspiration wurde.


Datum:
14.09.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
8 min

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Netzwerk A: Herr Erni, Juice Technology hat vergangene Woche auf einen Schlag gleich drei Produkte vorgestellt. Das erste ist J+. Was ist das genau?

Christoph Erni: J+ ist unser Label für alle Produkte, die die gleichnamige Software für Interkonnektivität in sich tragen. Alle Produkte, die mit J+ ausgezeichnet sind, können nahtlos untereinander kommunizieren. Wir glauben, dass künftig alle Gerätekategorien miteinander funktionieren müssen. Sie kennen das zum Beispiel von Philips Hue. Wenn Sie das Logo sehen, dann wissen Sie: Das kann ich kombinieren. Das ist der große Nutzen für den Kunden, das ist das, was die Leute heutzutage auch suchen. Man hat den Kopf eh schon voll und will sich nicht noch mit solchen Nebenthemen beschäftigen müssen. Mit J+ schaffen wir die Basis dafür. Wir haben uns gesagt: Wenn, dann entwickeln wir eine vernünftige Software für alle unsere Produkte und machen sie so kompatibel miteinander. Auch im Hinblick auf die Fernsteuerung durch Energieversorger ist das ein ganz wichtiger Punkt.


nA: Wie soll das funktionieren?

Erni: Stellen Sie sich vor, die halbe Stadt München kommt am Abend um sieben Uhr nach Hause und steckt ihr Elektroauto an. Da bricht das Netz zusammen, wenn das so plötzlich passiert. Die Autos könnten aber genauso gut um drei Uhr nachts auch noch laden. Wie steuern wir das? Früher wurde das mit einem Rundsteuersignal gelöst, das zum Beispiel Warmwasserboiler zu Spitzenzeiten abgeschaltet hat. Das geht mit den heutigen Autos nicht mehr, die würden dabei Schaden nehmen. Und hier setzen wir an. J+ ist fähig für die automatische Kommunikation mit den Energieversorgern, die schließlich sogar im Amperebereich die Leistung regeln können, ohne, dass der Kunde eine neue Ladesäule braucht. Wenn es neue Regelungen gibt, können wir die Software over the air updaten.


nA: Der Softwarebereich soll erkennbar DER Schwerpunkt von Juice Technology werden. Warum ist genau das die Zukunft?

Erni: Ich sage mal, die Hardware ist sozusagen der Hygienefaktor. Die muss perfekt sein, das wird auch vorausgesetzt von den Leuten. Man sieht es aber auch bei den Autos: Die Software macht den Unterschied. Sonst hätte es beispielsweise Tesla auch nicht geschafft. Bei diesen Autos ist fast alles zugekauft, der Unterschied am Ende ist ‚nur‘ die Software. Bei uns ist das noch komplexer, vor allem mit dem integrierten Lastmanagement.


nA: Juice Technology wurde 2014 gegründet, als Sie kein passendes Ladegerät für ihr Elektroauto gefunden hatten. Damals war das noch eine reine Hardware-Geschichte. Wann wurde Ihnen klar, dass eigentlich die Software der springende Punkt ist?

Erni: Also ich sage Ihnen ganz ehrlich: Hätte ich damals gewusst, was da dahinter steckt, dann hätten wir vermutlich gar nicht erst angefangen. Wir hatten ein paar Mal schlaflose Nächte in denen wir gesagt haben: „Das ist ja viel schlimmer, als wir gedacht haben“. Aber am Ende wurde es dadurch auch spannender. Viele denken auch heute noch, so ein Ladegerät ist einfach nur ein ON/OFF-Schalter. Wann kam der Fokus auf Software? Also begonnen hat das vor drei Jahren mit dem Lastmanagementsystem, als wir das aufgebaut haben. Ich komme ja eigentlich aus dem Software-Bereich. Ich hab das damals analysiert und gesagt: „Wir haben drei Sonderfälle, die wir abbilden müssen. Dann geht es.“. Heute sind es über 400. Es hat so viele Einflussfaktoren, alleine weil fast alle Hersteller auch ein bisschen an der Norm vorbei produzieren. Das versuchen wir auszugleichen. Und jetzt haben wir einen Weg gefunden, das zu schaffen. Wir verstehen jetzt, wie das Ganze funktioniert. Also konnten wir auch schon Lösungen einbauen, die künftige „Fehler“ vorwegnehmen. Das ist wichtig, denn den Kunden interessiert das eigentlich nicht. Er will einfach nur sein Auto laden.

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