Agravis Raffeisen AG steigt in LNG-Geschäft ein

Die LNG-Tankstelle der Agravis Raiffeisen AG steht in Nottulm
© Foto: AGRAVIS Raiffeisen AG

Agravis ist eigentlich für Tierfutter und Agrarprodukte bekannt. Jetzt steigt man in den LNG-Markt ein - und plant auch die Entwicklung von Bio-Kraftstoffen.


Datum:
06.09.2021
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
5 min

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Mit vier LNG-Tankstellen startet die Agravis Raiffeisen AG ihre ersten Schritte auf dem Mobilitätsmarkt. Die Stationen finden sich jeweils auf dem Gelände von Partnerunternehmen: bei der Raiffeisen Hohe Mark Hamaland eG in Gescher und der Raiffeisen Steverland eG in Nuttuln (beide Münsterland), sowie bei der Agravis Ost GmbH in Magdala und an der A2 in Lauenau. Im Interview mit netzwerk A erklärt der Bereichsleiter Energie, Oliver Korting, wie es zu dem Engagement kam: 

netzwerk A: Wann ist LNG für die Agravis Raiffeisen AG in den Fokus gerückt?

Korting: Im Jahr 2017 wurden uns LNG-Lkw vorgestellt und wir haben damals für unsere eigene Fuhrpark-Flotte den Einsatz geprüft. Zwei Jahre später haben wir dann gemeinsam mit unserem Beteiligungsunternehmen Raiffeisen Gas GmbH den LNG-Markt als attraktiven Nischenmarkt für uns identifiziert.

nA: Woher beziehen Sie das LNG im Moment und was kostet es an der Tankstelle?

K: Aktuell beziehen wir den Treibstoff vom Importterminal in Zeebrugge. Dabei setzen wir eine eigene Belieferungslogistik mit LNG-Sattelzugmaschinen ein, sodass ein CO2-optimierter Transport zur Tankstelle gegeben ist. Kurz- bis mittelfristig werden nationale Ladepunkte zur Verfügung stehen, die die CO2-Bilanz in der Logistik dann noch weiter verbessern werden. Die Preise an den Tankstellen bewegen sich im marktüblichen Rahmen; als Basis dient der monatliche Referenzpreis für Erdgas.

nA: Sie sprechen Umweltvorteile von biologisch hergestelltem LNG an. Gibt es hier schon geplante Projekte?

K: Ja. Die AGRAVIS-Konzerngesellschaft Terrasol Wirtschaftsdünger GmbH produziert in einer Biogasanlage am Standort Dorsten bereits nachhaltiges Biomethan aus Mist und Gülle, das ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist wird und somit bilanziell dem Kraftstoffmarkt zur Verfügung steht. Außerdem prüfen wir gerade die Beteiligung an einer weiteren Biogasanlage, welche zukünftig dann auch Biomethan für den Kraftstoffmarkt produzieren soll.

Oliver Korting, Bereichsleiter Energie der Agravis Raiffeisen AG
© Foto: AGRAVIS Raiffeisen AG

nA: Wie viele Tankstellen wollen Sie mittelfristig in Deutschland / Europa einrichten?

K: Unser Fokus liegt klar auf dem deutschen Markt und wir werden hier mit Augenmaß vorgehen. Das heißt: Da, wo es attraktive Standorte für uns gibt, werden wir gemeinsam
mit genossenschaftlichen Partnern weitere Projekte entwickeln. Diese Strategie ist nicht mit einer konkreten Anzahl von LNG-Tankstellen verbunden.

nA: Kritiker von LNG thematisieren häufig die Problemzone Methanschlupf. Wie sehen hier die Vorkehrungen an Ihren Tankpunkten aus?

K: Die Tankpunkte unterliegen dem Bundes-Immissionsschutzgesetz und sind somit genehmigungsbedürftig. Die technischen Konzepte werden also von den beteiligten Behörden eingehend geprüft. Die Tankpunkte sind technisch so ausgestattet, dass sie im Störungsfall in einen sicheren Zustand versetzt werden.

nA: In einem Monat ist Bundestagswahl. Was erwarten Sie von einer künftigen Regierung hinsichtlich Ihrer LNG-Ambitionen und wie schätzen Sie die Chancen dafür ein?

K: Die gesetzgeberischen Maßnahmen für eine Entwicklung des LNG-Marktes sind ja bereits getroffen und umgesetzt, insofern erwarten wir keine schnellen weiteren Initiativen nach der Bundestagswahl. Die Ziele zur Treibhausgasminderung im Verkehrssektor sind seit Juni auf EU-Ebene und im nationalen Recht bis 2030 klar definiert. Daraus lässt sich eine deutliche Notwendigkeit zu CO2-ärmeren Kraftstoffen ableiten. Und Bio-LNG kann gerade zu Beginn dieser Dynamik eine tragende Säule zur Reduzierung der Emissionen im Schwerlastverkehr sein.

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