Aktueller Stand: Alternative Antriebe bei Bussen

MAN baut mit dem Lions City E bereits auf einen alternativ angetriebenen Bus
© Foto: MAN

Busse sollen nach Möglichkeit emissionsfrei unterwegs sein. Wenn das nicht möglich ist, sollen Konzepte und Motoren so gestrickt sein, dass Schadstoffe auf ein Minimum reduziert werden können. Was sich die Hersteller diesbezüglich haben einfallen lassen, kann sich sehen lassen.


Datum:
08.09.2020
Autor:
Sascha Böhnke
Lesezeit: 
6 min

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Der Weg ist das Ziel, doch die Richtung ist noch nicht ganz klar. Zwar nehmen immer mehr Elektrobusse an Fahrt auf, doch damit aus dem Traum vom emissionsfreien Busverkehr kein Albtraum wird, gilt es, mit dem nötigen Weitblick zu agieren. Welche Schwierigkeiten dabei auftreten können – sowohl hersteller- als auch betreiberseitig –, zeigt die Praxis. Das beginnt bei der Beschaffung der Elektrobusse. 1:1 gegen Diesel lassen sich diese nämlich nicht ersetzen. Dafür fehlt es einfach an der nötigen Reichweite. Spätestens nach 150 bis 300 Kilometern ist nämlich ehrlicherweise Schluss, dann muss das Fahrzeug für etliche Stunden an die Ladestation. Zwar gibt es auch die Möglichkeit des Nachladens an der Strecke, doch selbst bei diesem Konzept sind Ladezeiten einzuplanen, die dann durch „Füll-Busse“ kompensiert werden müssen.

Wann soll geladen werden?

Kein Wunder also, dass Mercedes-Benz beim eCitaro vorerst nur das Über-Nacht-Laden anbietet. Der Hersteller setzt von Beginn an auf ausreichend groß dimensionierte Batterien, mit denen ein Teil der Dienste abgedeckt werden kann. Für viele Anwendungsfälle wird diese Über-Nacht-Ladung sicher die erste Wahl sein, doch bis die Batterielieferanten ihre Technik derart verbessert haben, dass sich mit einer Batterieladung sämtliche Linien abdecken lassen, wird es noch dauern. Die Alternativen nennen sich Gelegenheitsladung, Brennstoffzelle oder auch partielle Oberleitung bei Trolleybussen, wie es bereits der polnische Hersteller Solaris demonstriert. Und bevor man sich für ein oder mehrere Systeme entscheidet, müssen im Vorfeld zahlreiche technische Parameter untersucht werden, zu denen der Energieverbrauch, die Reichweite und die Ladeleistung zählen, aber auch betriebliche Parameter wie ein möglicher Fahrzeugmehrbedarf oder Zusatzkosten infolge geänderter Betriebsabläufe.

Umrüstung von Diesel auf Wasserstoff

Eine spannende Alternative zum batterie-elektrischen Bus bietet das Start-up Keyou. Die Münchener wollen bestehende Dieselmotoren einfach um- beziehungsweise aufrüsten, sodass statt Diesel Wasserstoff als Energiequelle dient. Grundsätzlich ist es ein sauberes Verfahren – bei der Verbrennung von Wasserstoff zusammen mit Sauerstoff entsteht nur Wasser. Natürlich fallen kleine Mengen Kohlendioxid durch die eingesetzten Schmiermittel an. Im Brennraum entstehen giftige Stickoxide. Diese bekämpft Keyou durch Luftüberschuss: Die Stickoxide werden mit einer Abgasrückführung und einem neu entwickelten H₂-SCR-Katalysator bekämpft. Was bleibt, ist laut Keyou kaum nachweisbar. Das Start-up will nun einen Wasserstoffmotor in Form eines Umbaukits für herkömmliche Verbrennungsmotoren anbieten. In etwa lässt sich die Umrüstung mit dem Umbau eines Dieselmotors für den Betrieb mit Erdgas zum Ottomotor vergleichen, bei dem eine Zündanlage zum Einsatz kommt. Die technischen Unterschiede sind gering. Für den praktischen Fahrbetrieb ist vorgesehen, den Tank mit einem Druck von 350 bar zu befüllen, das sollte für eine Reichweite von 250 Kilometern reichen.

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