So sicher sind Elektroautos wirklich

Ein Elektroauto wird bei einem Crashtest der DEKRA Unfallforschung gegen einen Pfosten geschleudert
© Foto: DEKRA Unfallforschung

Es ranken sich viele Mythen rund um Elektroautos. Kann ich bei einem Unfall einen elektrischen Schlag bekommen? Was muss passieren, damit die Batterie anfängt zu brennen? Wir haben mit führenden Experten aus der Entwicklung und Forschung sowie mit Feuerwehrleuten gesprochen. Die Ergebnisse sind überraschend.


Datum:
23.10.2020
Autor:
Fabian Faehrmann
Lesezeit: 
10 min

NOCH KEINE Kommentare

jetzt mitdiskutieren




Es ist Dienstag, der 28.07.2020. Ort: die Landstraße 90 im Brandenburger Havelland. Hier reiht sich Acker an Acker, nur ab und an fährt man durch kleine Ortschaften. Zwischen den Weilern Schmergow und Phöben steht ein verkohlter Audi e-tron am Straßenrand. Die Fahrerin, 19 Jahre alt, war mit dem Elektronboliden in einen Baum gekracht. Der Wagen fing Feuer. Sie starb. In diesem Moment wird im Brandenburger Land eine Lawine ausgelöst, die dank neuer Medientechnik nahezu in Lichtgeschwindigkeit ganz Deutschland überrollt. In Foren werden Videos von brennenden Teslas gepostet, während selbsternannte Ingenieure über die Brandgefahr von Akkus diskutieren. Deutschland fragt sich wieder einmal: Wie gefährlich sind Elektroautos?

Der verkohlte Audi e-tron nach dem Unfall in Groß-Kreutz
© Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Julian Stähle

„Dieser Vorfall war landesweit ein aha-Effekt.“ So bezeichnet es Jörg Schafföner, der Fachbereichsleiter Sicherheit der Gemeinde Groß Kreutz (Havel). Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, ging auch bei den beteiligten Feuerwehren die Aufarbeitung los. Gegenüber dem RBB erklärt der Gemeindewehrführer Kristian Titsch, dass der Einsatz problematisch gewesen sei, da es sich um ein Elektroauto gehandelt habe. Diese seien relativ schwierig zu löschen, weil man keine Erfahrung damit habe. Ähnliches sagt auch Schafföner: „Bei uns im Landkreis wurde niemand geschult. Das ist ein Problem, das einfach niemand auf dem Schirm hatte. Immerhin“, so der Fachbereichsleiter, „hätte im Nachgang  der Landesfeuerwehrverband Brandenburg über die Berufsfeuerwehr Berlin und dann auch der Landkreis Lehrgänge durchgeführt, bei denen einzelne Kameraden geschult wurden. Zukünftig soll auch bei der Ausbildung zum Truppführer ein entsprechender Ausbildungsteil integriert werden.“ Dieser Fall zeigt allzu eindrücklich: Die Elektromobilität muss sich erst noch etablieren, auch bei den Feuerwehren.

Wie wird ausgebildet?

Diese Erfahrung hat auch Frank Hüsch von der Landesfeuerwehrschule in Baden Württemberg gemacht. Hier werden unter anderem die Gruppenführer ausgebildet, ohne die ein Feuerwehrauto hierzulande überhaupt erst gar nicht ausrücken darf. Jedes Jahr, so Hüsch, gibt es zwei Schulungen, die sich dem Thema E-Mobilität widmen. Alleine 2020 habe es schon rund 1000 Teilnehmer gegeben. „Wir gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch höher ist, weil einige Feuerwehren die Schulung in ihrer Wache gezeigt haben“, sagt der Experte. In den Seminaren lernen die Teilnehmer, wie ein E-Auto richtig gelöscht wird und welche Gefahren dabei lauern. Hier ploppt auch einer der größten Mythen rund um Elektrofahrzeuge immer wieder auf: die Gefahr eines elektrischen Schlages.

Amtsrat Frank Hüsch von der Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg bei einer Schulung über Elektroautos
© Foto: LFS-BW

„Es ist physikalisch nahezu ausgeschlossen einen Stromschlag zu bekommen, selbst wenn das Auto unter Strom steht“, erklärt Hüsch. Grund dafür sei, „dass das Fahrzeug kein Potenzial gegen die Erde, anders als beispielsweise ein Haus“ habe. „Selbst wenn die Karosserie unter Spannung stehen würde, könnte der Strom nicht über den Körper abfließen, weil es keine richtige Erdung gibt.“ Diese Feststellung sei sehr wichtig, insbesondere auch für Ersthelfer, die an eine Unfallstelle kommen. Denn auch hier scheuen sich einige zu helfen, wenn sie sehen, dass auf dem Kennzeichen ein großes E prangt.

HASHTAG


#Technik

MEISTGELESEN


KOMMENTARE


SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


netzwerk-A ist das Onlineportal mit Antworten und Praxiswissen zu allen alternativen Antrieben. Das Onlineportal bündelt die alternativen Antriebsformen Elektromobilität, Hybrid oder Plug-in-Hybrid-Antriebe, LPG, CNG, Erdgas, Wasserstoff-Fahrzeuge und Brennstoffzellen-Fahrzeuge. netzwerk-A vergleicht alternative Antriebe und bietet umfassende Marktübersichten zu den nachhaltigen Antrieben der neuen Mobilität. netzwerk-A bietet dem Nutzer regelmäßig Anwenderberichte, Best-Practice-Beispiele, How-to-Anleitungen und Checklisten, um das Fahren und Transportieren mit alternativen Antriebsarten heute, morgen und übermorgen in nachhaltige Mobilitätskonzepte zu integrieren. Wie die Infrastruktur für die neue Mobilität aufgebaut wird und welche Förderungen es für nachhaltige Antriebe gibt, beantwortet die Onlineplattform netzwerk-A von Springer Fachmedien München. netzwerk-A wendet sich an Autohäuser, Speditionen und Logistik-Unternehmen, Fuhrparkmanagement, Transportunternehmen und ÖPNV-Betriebe.