Leitfaden: Reifen für Elektrofahrzeuge

Was am Schuhwerk für Elektrofahrzeuge anders ist - Parameter und einige Kriterien haben sich verschoben. Eines ist geblieben: Sicherheitsaspekte stehen nach wie vor oben auf der Liste, das neue Reifenlabel bietet auch dafür eindeutige Hinweise.
© Foto: Continental

Es sind die Besonderheiten der Elektroautos, der BEVs und elektrisch betriebener Lkw, die auch bei den Reifen geänderte Eigenschaften erfordern. Tragfähigkeit, Geräuschentwicklung und Rollwiderstand stehen im Fokus - für Sicherheitsaspekte erfordert manches einen gelungenen Mittelweg


Datum:
31.12.2021
Autor:
Gerfried Vogt-Möbs
Lesezeit: 
6 min

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„Grundsätzlich unterscheiden sich Reifen für E-Fahrzeuge nicht von herkömmlichen Reifen. Deren Einsatzbedingungen ändern sich jedoch durch die Elektrifizierung erheblich“, erklärt Annika Lorenz, Leiterin Fleet Solutions bei Continental Deutschland. Für ein besonders effizientes Elektrofahrzeug sind mit Blick auf die Reifen grundsätzlich dieselben Kriterien relevant wie für ein emissionsarmes Verbrennerfahrzeug. Im Fokus steht ein geringerer Energieverbrauch – ungeachtet der Antriebsform. Anders als bei E-Autos kommen bei Nutzfahrzeugen zusätzliche Anforderungen hinzu, insbesondere getrieben durch die „Clean Vehicle Directive“ der EU sowie das VECTO-Tool, das seinen Fokus auf die Reduktion von CO2-Emissionen legt.

Verändert Zielkonflikte, neue Schwerpunkte für Reifenhersteller

Die Herausforderung an die Reifenentwickler sind nicht grundsätzlich neu – noch immer gilt es, die Kriterien "hohe Sicherheit, gutes Handling und Komfort" optimal zu verbinden. Elektrofahrzeuge sind schwerer als Verbrenner. Die Reifen müssen daher für höhere Lasten ausgerichtet sein. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, werden Reifenaufbau und Mischungen weiterentwickelt. Dabei ergeben sich aber Zielkonflikte, die auf einem sehr hohen Niveau gelöst werden müssen. Die Stichworte dazu lauten: Rollwiderstand, Geräuschentwicklung, Langlebigkeit und Naßbremsverhalten. Neue Konzepte und Produkte der Hersteller weisen den Weg zur vorausschauenden Wartung: Continental etwa hat Digital Solutions im Nutzfahrzeugbereich, zeigen das Potenzial neuer Werkstoffe um effizienten, sicheren und nachhaltige Reifen zu produzieren.

Aspekt Gewicht: Höhere Tragfähigkeit ist ein Muss

Elektroautos bringen deutlich mehr auf die Waage als vergleichbare Verbrenner. Schuld sind Antrieb und Batterie – letztere kann alleine schon mal 700 bis 800 Kilogramm schwer sein. Die Reifen aller BEV benötigen deshalb eine höhere Tragfähigkeit. Daher ist bei der Reifenauswahl der passende Last-Index wichtig – ein Blick in die Zulassungsbescheinigung verrät ihn, alternativ gibt der Fahrzeughändler darüber Auskunft. Achtung – auch an den korrekten Reifendruck sollte man denken und diesen regelmäßig kontrollieren: Selbst geringfügige Druckabweichungen erhöhen den Rollwiderstand, verringern gleichzeitig die Reichweite.
 
Aspekt Geräusch: Fahrkomfort

Grundsätzlich gilt: Jedes BEV ist leiser als ein Verbrenner, daher stechen Reifengeräusche subjektiv stärker hervor. Als Reaktion darauf haben die Reifenhersteller die Laufflächen konstruktiv abgeschirmt und so den Komfort in puncto Laufruhe erhöht: Schwingungen im Reifenhohlraum werden akustisch durch Schaumstoffeinlagen auf der Innenseite der Reifenlauffläche entkoppelt und können sich nicht weiter verbreiten. Perfekt für diesen Zweck ist PUR-Schaum - Continental hat dafür die Bezeichnung ContiSilent gewählt, Pirelli bezeichnet seine Lösung schlichter als Noise Cancelling System.

Spagat: Kurzer Bremsweg, wenig Rollwiderstand

Ob Pkw, E-Van oder E-LKW: BEV-Kunden wollen in Sachen Reichweite ungern Abstriche machen. Daher ist der geringe Rollwiderstand enorm wichtig -  auch weil beim Elektroauto  für viele der Umweltfaktor im Fokus steht. Gleichzeitig sollte der Reifen aber über guten Grip verfügen und kurze Bremswege ermöglichen – den diese passive Sicherheit kann Blech, aber letztendlich auch Leben retten  Wie gut jeder Reifentyp diesen "Gegensatz" verarbeitet und in der Praxis umsetzen kann, ist oft – Stichwort Traktionskontrolle, auch für Abrieb und Lebensdauer mitverantwortlich – vom Fahrzeugtyp selbst abhängig. Ob die Basis stimmt – sämtliche Grundvoraussetzungen - zeigt auch das neue EU-Reifenlabel. Wer es allerdings genauer wissen will, muss Resultate unabhängiger Reifenprüfungen und Vergleichstests durchforsten.

Weitere Info aus der Praxis

In zahlreichen Kooperationen und Entwicklungspartnerschaften sammeln Reifenhersteller Know-how, das unmittelbar in die Entwicklung der neuen Reifengenerationen einfließt. Im Pkw- wie im Nutzfahrzeugsegment arbeiten die Entwickler mit OEMs und Kunden an neuen Konzepten und forschen, welche Anforderungsprofile sich in der Praxis bewähren.

Anhand von acht Beispielen erläutert Continental in einem aktuellen Whitepaper „Elektromobilität4Tires“, welche Aspekte in den Segmenten E-Pkw, E-Lkw und E-Busse bei der Entwicklung im Vordergrund stehen und liefert eine umfangreiche Materialsammlung. Hier geht es zum neuen Whitepaper „Elektromobilität4Tires“ von Continental.

 

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